Belgrad - mueslipics

ein Ausflug in Serbiens Hauptstadt


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25. August 2018

Touristen neppen


Mehr als zwei Monate nach dem letzten Trip wird es höchste Zeit, Neuland zu erkunden. Eine Stadt, die in der Regel auch nicht ganz weit oben auf den Listen irgendwelcher Globetrotter steht, ist Belgrad und so mache ich mich mit meiner serbischen Kollegin Lilli auf in die serbische Hauptstadt. Sie ist zwar in Hannover geboren , spricht aber fließend serbisch und ermahnt mich am Nikolai Tesla Airport auf dem wir gegen 23 Uhr landen am besten gar nichts zu sagen, damit wir nicht als dusselige Ausländer von irgendjemandem vorgeführt werden.

Der erste derartige Versuch findet am Simkartenverkaufsstand statt, wo Lilli eine Sim Card für Touristen für über 20 Euro kaufen möchte (auf serbisch), ich kann sie noch abhalten, in der Stadt gibt es die Dinger für 6 Euro. Als nächstes bietet man uns eine Taxifahrt für 3.000 Dinar in die Stadt an, laut unserem Vermieter soll der Spaß aber nur 1.800 Dinar kosten wenn man sich an einem Schalter, den er uns vorab beschrieben hat, einen Voucher holt. Der Mann, der uns ausnehmen will behauptet frech und auf serbisch, den gäbe es nicht mehr. Ich finde ihn dann und es kostet auch wirklich nur 1.800 Dinar. Soviel zum Reisen mit Einheimischen.

Kurz vor Mitternacht sind wir schließlich in unserem airbnb Apartment in Belgrads Altstadt und sind sehr positiv angetan. Tolle Wohnung und geschmackvoll eingerichtet. Wir machen uns frisch und gehen ein paar Straßen weiter auf die Skadarlija um was zu trinken und den lauen Sommerabend zu genießen In den Lokalen herrscht beste Stimmung und eine schöne Atmosphäre, teilweise bei Livemusik, vielleicht hätten wir vorher doch noch den serbischen Volkstanz lernen sollen. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall ein sehr guter, sieht man von den Versuchen, Touristen auszunehmen einmal ab.



26. August 2018

Save, Tito und drei Hüte


Nachdem es gestern spät wurde, bleiben wir etwas länger liegen und suchen uns dann unten eines der zahlreichen Lokale um zu frühstücken. Unser Stadtrundgang beginnt danach auf der Cara Dusana und führt uns zur Festung Kalemegdan oberhalb des Zusammenflusses von Save und Donau. Leider hat sich die vormittägliche Sonne mittlerweile hinter Wolken versteckt, aber immerhin regnet es nicht. Wir schauen uns um, genießen den Ausblick und verlassen die Festung in Richtung Knez Mihailova, Belgrads Haupteinkaufsstraße. Eine Dachterrasse lädt zum Verweilen bei einem Drink ein, bevor wir uns ins Getümmel stürzen.

Lilli verhandelt mit einem Straßenverkäufer über den Ankauf einer Sonnenbrille, danach sind beide Facebook-Freunde und sie hat Bilder seiner Manneskraft gesehen. Komische Bräuche. Wir finden einen Handyladen aber offenbar ist man hier zu doof, uns Simkarten zu verkaufen, eine Kundin empfiehlt uns einen Laden, ein paar Straßen weiter am Hotel Moskau. So führt uns unser Weg über den Trg Republike zum Trg Terazije. Das Hotel Moskau ist ein architektonisches Highlight und daneben ist ein Mobilfunkladen in dem man pfiffiger zu sein scheint. Kurze Zeit später haben wir mobiles Internet für ein Drittel des Preises den man uns am Flughafen offerierte und setzen unseren Rundgang fort: Serbisches Parlament, Taschmaidan Park, Trg Slavija und Sveti Sava, den Dom Belgrads. Hier wird allerdings gerade ziemlich viel renoviert, so daß wir nur einen Blick in die Krypta werfen können. Jetzt sind unsere Füße rund gelaufen, es ist 15.30 Uhr, wir schnappen uns daher ein Taxi und fahren zum Haus der Blumen, Titos ehemaliger Belgrader Residenz und heutigem Mausoleum. Wir bewundern sein Grab, das seiner Frau und allerlei Devotionalien und fotografieren uns gegenseitig mit Pionierhalstüchern . Bedenkt man den Personenkult den es früher um Tito gab, so verfällt hier heute langsam alles. Die Taxifahrerin ist auch noch nie dort gewesen. Wir beenden das Sightseeing und fahren erst zum Supermarkt und danach in unsere Wohnung, die Füße hochlegen. Zu Abend essen wir folkloristisch serbisch in den „drei Hüten“ an der Skadarlija. Wir genießen die schöne Atmosphäre und liegen zeitig im Bett, die Zahl der Eindrücke war reichlich.



27. August 2018

Unterwegs im Sprühregen


Entsprechend haben wir geschlafen wie die Steine, unser heutiger Entdeckungsdrang erhält allerdings eine Dämpfer beim Blick aus dem Fenster, 17 Grad und Sprühregen. Wir konferieren beim Frühstück an der Hausecke und beschließen das Pflichtprogramm zu erledigen und Lillis Vater zu besuchen, der mittlerweile wieder in Belgrad wohnt. Es regnet weiter und wir flüchten ins Einkaufszentrum Ušće, Shopping ist ja auch eine schöne Alternative und wir finden auch vielerlei was uns gefällt, den Converse Laden kaufen wir fast leer. Jetzt wäre uns eigentlich danach, dass wir uns auf eines der Bootsrestaurants am Saveufer setzen, ein Getränk zu uns nehmen und die Seele baumeln zu lassen, das tun wir auch, aber da ist nichts los und das Wetter ist immer noch unschön. Es regnet immerhin nicht mehr, aber alles ist klamm und wenig einladend Also fahren wir unsere Einkäufe nach Hause und legen die Beine hoch, bis wir Hunger bekommen und uns den Abend im Lawuk an der Ecke bei Essen und Cocktail vertreiben.



28. August 2018

Wo bleibt die Zwei?


Nach dem Frühstück erkunden wir den Markt um die Ecke und besteigen eine Tatra der Linie 2 um zum Bahnhof zu fahren, der ist allerdings bereits stillgelegt, es gibt einen neuen Hauptbahnhof, unklar ist allerdings wo der ist und wir machen uns auf die Suche. Einem Hinweis von Einheimischen folgend reisen wir sehr lange mit der Straßenbahn bis wir schließlich im Nirgendwo an einem Vorortbahnhof in Topčider stehen, der war es schonmal nicht. Da wir eh schon im serbischen Nirwana stehen, fahren wir mit der nächsten 3 einfach mal weiter bis zur Endstation in Rakovica und haben dabei eine Menge Spaß. Touristen gibt’s hier jedenfalls keine. Es gibt auch nichts zu sehen, so geht es mit der nächsten 3 zurück zum Ausgangspunkt vor dem alten Hauptbahnhof. Und da stehen wir dann.

Die Sonne scheint auch und wir könnten an die Save fahren, wenn denn eine Linie 2 käme, es kommt aber keine. Bahn um Bahn fährt an uns vorbei, doch keine 2. Wir nehmen entnervt die Linie 7 nach Novi Belgrad einmal über die Save, dann mit dem Bus zurück, wieder über die Save und schließlich zu Fuss ein drittes Mal über den Brankov Most über die Save. Geschafft! Wir finden zwar kein Bootsrestaurant aber ein lauschiges Lokal und essen Pljeskavica. Gestärkt fragen wir uns zu den im Jugoslawienkrieg zerbombten Häusern an der Nemanjina durch.

Querfeldein geht es zurück zur Straßenbahn und mal wieder über die Save und am alten Hauptbahnhof vorbei, ich komme mir in einer Zeitschleife gefangen vor. Aber wir finden die Nemanjina, die gegenüber vom Bahnhof den Berg hoch geht, laufen bis zum Trg Slavija und zurück und sehen dabei auch die letzten Reste des Krieges, z.B. das zerbombte Generalstabsgebäude. Und dann stehen wir wieder dort, vor dem Bahnhof beim Warten auf die Linie 2, die immer noch nicht kommt.

Wir wollen zur Knez Mihailova, vielleicht ein wenig Fusspflege betreiben, aber auch ein Taxi findet sich erst nach mehreren Anläufen. Und die Fusspflege, die wir uns ausgesucht hatten, war eine podologische Praxis in der man einen Termin brauchte. Fehlanzeige. Bei Mama Belgrade wollen wir einen Sundowner nehmen, bevor wir uns den Sonnenuntergang vom Kalemegdan aus anschauen, leider hat das Personal hier Organisationsprobleme. Lillis Alster dauert trotz mehrfacher Nachfrage ewig, immerhin gibt’s eine Entschuldigung und Gratisbiere. Es wird höchste Zeit, nun den Sonnenuntergang zu bestaunen, der sich für uns und die vielen anderen Menschen auch mächtig ins Zeug legt. Das entschädigt für die eine oder andere Warteminute vor dem stillgelegten Hauptbahnhof. Nach Einbruch der Dunkelheit erwischen wir – welch Überraschung eine Linie 2п, die uns heimbringt und finden gar nicht weit von unserem Apartment ein schönes Restaurant in dem wir zum Abschluß noch Cevapcici zu uns nehmen, den Absacker werfen wir in unserer Eckpinte, dem Lawuk ein.



29. August 2018

Homebound


Heute geht es nur noch nach Hause, mit der Swiss über Zürich. Der Besuch in Belgrad hat sich auf jeden Fall gelohnt , die Stadt ist sehenswert und hat einige schöne Ecken zu bieten und eine relaxte Atmosphäre, auch wenn die Linie 2 nicht immer zu fahren scheint.