Bukarest und schwarzes Meer - mueslipics

was von Ceaușescu übrig blieb

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10. Mai 2017

Bukarest, wir kommen!


Das Schöne am Reisen ist ja, dass es auch dazu dienen kann, Vorurteile abzubauen, zu diesem Zweck steht für diesen Kurztrip Rumänien auf dem Programm, Südosteuropa, eher eines der ärmeren Länder, Spargelstecher, Autoschieber und welche Assoziationen man nicht noch alle mit diesem Lans verbindet. Christopher und ich wollen uns ein eigenes Bild machen, aber bevor es zum Flughafen geht, gedenken wir erstmal der letzten gemeinsamen Reise nach Südkorea und kochen gemeinsam mit Sylvie BiBimBap. Um 21 Uhr fliegt Wizzair uns von Hannover nach Otopeni und um 1 Uhr nachts kommen wir in unserem Airbnb Quartier am Rande der Altstadt an, Christopher geht Nahrung besorgen und dann geht es ins Bett.


11. Mai 2017

Auf geht's


Um 8 Uhr ist die Nacht schon wieder vorbei und wir nutzen den Tag ausgiebig zur Stadtbesichtigung. Unser Quartier aus sozialistischer Zeit mit Poco Einrichtung und einer Toilette, auf die man rückwärts einparken muss, liegt immerhin angenehm zentral, bis zum Parlamentspalast sind es nur ein paar Minuten. Bulevardul Unirii, Calea Victoriei, Piata, Revolucionii, Piata Victoriei, wir haben so einiges abgehakt auf unserem Rundgang. Die Stadt ist - für mich überraschend  -erstaunlich gut in Schuß und wirkt bei weitem freundlicher als ich gedacht hätte. Vieles wurde renoviert und ein wenig blitzt das Paris des Ostens wieder durch, als das Bukarest früher galt. Zwar kann man vierzig Jahre Sozialismus nicht einfach so weglügen, aber sie sind auch nicht mehr das, was einem auf dem ersten Blick ins Auge sticht, wenngleich sozialistische Relikte natürlich auch ein Stück weit den Charme des Ganzen ausmachen. Auch die Menschen entsprechen längst westlichen Modeidealen, die Stadt wirkt wie im Aufbruch.

Wir haken ab, was der Reiseführer vorgibt, machen einen Ausflug zum Haus der freien Presse, entspannen auf einer Rooftopbar und genießen abends Kultur im Athenäum, die Staatsphilharmonie George Enescu spielt auf, die Ouvertüre zur Königen der Nacht von Mozart, sein 5. Konzert und die phantastische Symphonie von Berlioz. Es ist ganz wunderbar, das Haus, die Atmosphäre und auch das Konzert. Wir entscheiden uns danach für ein gepflegtes Abendessen im Steakhaus.

11. Mai 2017


12. Mai 2017

Das Haus des Volkes


Christopher will joggen, was auch imer ihn da treibt, er macht sich sportfein und joggt dahin, wo es was zu Essen gibt, das hat den Vorteil, dass ich bloß Tee kochen muss und mich sonst ums Frühstück nicht kümmern muss. Frisch gemacht, gehen wir los, den Parlamentspalast, früher als Haus des Volkes bezeichnet zu besichtigen. Quasi Ceaucescus Erbe, seine Fertigstellung hat er nicht mehr erlebt, man hat ihn vorher erschossen.

Das Gebäude besteht vollständig aus in Rumänien vorkommenden Materialien, es handelt sich um das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt. Unsere Herausforderung besteht darin, den Besuchereingang zu finden. Murphys Law will es, daß wir erstmal in die falsche Richtung rennen. Trotzdem erscheinen wir pünktlich zu unserer Führung, das Ganze ist schon sehr imposant und der Blick vom Balkon lohnt sich.

Wir haben uns eine Mittagspause verdient, danach geht es weiter zum Triumphbogen, selbstverständlich hat auch dieser sein Vorbild in Paris. Eine Führung im Frühlingspalast, dem Wohnsitz der Ceaucescus muss leider ausfallen, auf eine Führung müssten wir 1,5 Stunden warten, wir schauen uns im öffentlich zugänglichen Bereich um und spielen Diktator.

Nun suchen wir das Rathaus. Google Maps führt uns zur Polytechnischen Universität, allein ein Rathaus finden wir nicht, dafür sozialistische Relikte. Und eine Straßenbahnhaltestelle. Auf dieser Linie wird eine Tatra der Baureihe T4 eingesetzt, die lieben wir beide. Folglich besteigen wir einen Zug der Linie 35 und fahren einfach mal mit. Da wo es nach sozialistischer Platte aussieht, an der Haltestelle Frigocom,  sind wir ausgestiegen und durchs Wohngebiet gestriffen. Schön auch so ein Gefühl für diese Stadt zu bekommen.

Mit der 35 geht es dann wieder zurück in die Stadt, wir bestaunen noch den Universitätsplatz und ziehen zu Fuss durchs Lipscani. Nach dem Abendessen machen wir noch ein paar Fotos in der Bukarester Nacht.

12. Mai 2017


13. Mai 2017

Mit dem Zug ans Schwarze Meer


Wir sind früh aufgestanden und mit der U-Bahn zum Nordbahnhof gefahren, wir frühstücken am Gleis und schauen dem geschäftigen Treiben zu, die Züge sehen aus, wie bei uns früher einmal. Vor dem Bahnhof gibt es erstmal ein klein wenig Stress, als ich das Gebäude fotografiere, glaubt jemand, mit auf dem Bild zu sein und bedeutet mir es zu löschen. Er ist zwar nicht mit drauf, aber eine Diskussion erübrigt sich wegen mangelnder gemeinsamer Sprachkenntnisse. Ich lösche das Bild und mache ein neues. Ein Hoch auf die digitale Fotografie.

Um 9.32 Uhr geht es mit dem Interregio nach Constanta ans Schwarze Meer, der Zug ist ganz modern und vor allem das W-Lan funktioniert und das einwandfrei. Zweieinhalb Stunden später und nach Überquerung zweier Donauarme kommen wir pünktlich an unserem Ziel an, der viertgrößten Hafenstadt Europas. Diese macht im Gegensatz zum aufblühenden Bukarest einen eher heruntergekommenen Eindruck, hier sieht es so aus, wie ich mir Rumänien vorstellte. Viel Leerstand, halbfertige Hausbauten, Bauruinen, deren Fertigstellung auf Plakaten für 2006 angekündigt wird. Quer durch die Stadt arbeiten wir uns bis ans Meer vor. Eine erste Moschee deutet an, dass der Orient nicht mehr weit ist.

Die Strandpromenade ist schön gemacht, zum Heulen ist allerdings, dass das wunderschöne Casinogebäude verfällt und verrottet, es ist zwar als historisches Monument gelistet, allein es passiert nichts. Damit wir nicht heulen müssen, fängt es an zu regnen. Der Plan, sich an den Strand zu legen, ist damit hinfällig. Wir kehren ein.

Als es wieder aufhört gehen wir vor bis an den Strand, am recht leeren Yachthafen vorbei. Natürlich ist jetzt alles nass, also kehren wir langsam zum Bahnhof zurück und fahren mit dem Zug um 19 Uhr wieder nach Bukarest zurück. Ich schaue abends ESC im Fernsehen, Christopher geht aus...

13. Mai 2017


14. Mai 2017

Ausklang


Nachdem Portugal den ESC gewonnen hat, gehe ich schlafen, Chistopher trifft gegen Morgen wieder ein und hatte eine heitere Nacht. Spezielle Ziele haben wir für den heutigen Tag nicht mehr, wir lassen uns treiben und spazieren durch den Cismigiu Park, auf dem Weg dahin finden wir auch das Bukarester Rathaus. Im Hanul Manuc essen wir, ganz Touristen, zu Mittag, betreiben noch ein wenig Augenpflege und brechen am Nachmittag wieder zum Flughafen auf.

Mit einer Stunde Verspätung bringt Wizzair uns wieder nach Hause.

14. Mai 2017