Færøer - mueslipics

Auf Fototour im Nordatlantik


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11. Juli 2019

Die verf****en Inseln


Es ist 3 Uhr morgens, als der Wecker klingelt, Müdigkeit und Vorfreude halten sich in etwa die Waage als ich mein Gepäck die Treppe hinunter zum Auto trage. Stefan und ich wollen zusammen auf die Färöer fliegen, um dort zu fotografieren. Je weiter wir in den Reisevorbereitungen kamen, desto unsympathischer wurde uns das Archipel im Nordatlantik allerdings. Schon zwei Monate im Voraus bedurfte es einiger Anstrengungen, um überhaupt noch einen Mietwagen zu bekommen, einen Ford Transit, bei dem es sich um das letzte Auto auf den Inseln zu handeln schien, fünf Tage für mehr als 600 Euro. Der Transit ist jetzt allerdings kaputt, was wir stattdessen bekommen, wissen wir noch nicht, man bemühe sich...

Hinzu kamen überteuerte Unterkünfte, Wandergebühren und weitere Unwägbarkeiten, die uns bereits im Vorfeld die Vorfreude ein wenig vergällt haben, daher die verf****en Inseln. Es kann also nur besser werden.

Ich sammle Stefan ein und um 4 Uhr brechen wir auf nach Billund, von dort soll uns Atlantic Airways um 11.35 Uhr nach Vágar bringen, der Insel mit dem Flughafen. Dank des frühen Aufbruchs kommen wir reibungslos durch Hamburg und sind bereits vor 9 Uhr am Flughafen. Besser so , als zu spät. Wir vertreiben uns die Zeit mit frühstücken, holen uns ein paar Kronen am Automaten und heben schließlich pünktlich ab in Richtung Nordwesten.

Genauso pünktlich landen wir am niedlichen Flughafen der Färöer, sammeln unser Gepäck ein und haben mittlerweile auch eine E-Mail, dass gegenüber auf einem Parkplatz ein niegelnagelneuer VW Touran auf uns warten würde. Sowie wir die Zahlung für das Deposit ausgelöst hätten, würde man uns verraten, wo der Schlüssel liegt. Das Versteck ist aber nicht sonderlich gut, der Wagen ist offen und er liegt im Handschuhfach.

Das Wetter ist wolkig und neblig, wir decken uns im Supermarkt mit Proviant ein und wollen direkt loslegen mit der Wanderung zum Trælanípa. Am dortigen Parkplatz sehen wir, dass wir nichts sehen, außerdem beginnt es zu regnen. Keine Wanderung heute, das macht keinen Sinn. Zurück ins Auto und auf nach Gásadalur zum Múlafossur. Unterwegs bannen wir noch die Fischerhütten am Leitisvatn auf den Sensor, es regnet doller.

Landschaftlich ist es wirklich schön hier und nachdem wir unseren ersten einspurigen Tunnel hinter uns gelassen haben, ist das Wetter auf der anderen Seite des Berges auch ein wenig besser.  Wir machen uns auf den Weg zum Aussichtspunkt und belichten, was das Licht so hergibt.

Ich vermisse meine Lesebrille, wir stellen das Auto auf den Kopf, können den Zwicker aber nicht finden. Bei strömendem Regen grasen wir nochmal den Parkplatz am Traelanípa ab, keine Spur von der Brille, bloß nasse Sumpfdotterblumen. Ich habe noch eine weitere dabei, wir fahren zu unserem B&B in Miðvágur und beziehen unser Zimmer. Zwei Betten, kaum Platz für die Koffer, Bad zum Teilen und das ganze für 135 Euro inclusive Frühstück. Man hat hier seltsame Preisvorstellungen, aber es nützt ja nix. Zeit für eine Mahlzeit, das Angebot an Restaurants ist überschaubar, gegenüber ist das Smiðjan, Burger, Pizza, Fish & Chips. Es macht sich die Ahnung breit, dass es kulinarisch keine Höhepunkte geben wird.

Beim Ausziehen der Stiefel löst sich die Sohle von einem, sowas muss ja auch immer im unpassendsten Moment passieren. Mal schauen, wie wir das in den Griff kriegen, erstmal machen wir uns eine Dose Bier aus unseren Duty-Free Vorräten auf und sortieren die ersten Fotos bevor wir müde in unsere Betten fallen.


12. Juli 2019

Puffins, endlich Puffins


Einer der Hauptanreize auf die Färöer zu fliegen war die Perspektive, Puffins zu sehen und fotografieren zu können. Die possierlichen Vögel brüten im Sommer an den Steilküsten Mykines', der westlichsten Insel. Heute nachmittag soll die Fähre uns rüberbringen. Erstmal frühstücken wir aber lecker,  packen unsere Sachen und freuen uns, dass das Wetter uns heute gewogen scheint.

Wir beginnen den Tag mit einem Besuch im Supermarkt, um Industriekleber zu kaufen und meine Sohle wieder anzukleben. Auf dem Parkplatz schütte ich ordentlich davon zwischen Sohle und Schuh, Stefan hält und ist bemüht,  nicht untrennbar mit meinen Stiefeln verbunden zu werden. Weiter geht es mit der Wanderung zum Trælanípá, das Entgelt dafür beträgt 200 DKK pro Person, eine stolze Summe für 3 Kilometer Wanderweg.

Am Leitisvatn entlang führt uns der Weg zur Sklavenklippe und nach etwa einer Stunde und diversen kurzen Fotostops kommen wir an. Sehenswert ist es ja! Von oben wirkt es, als würde der Leitisvatn sich oberhalb des Atlantiks befinden und von Grotten untertunnelt sein. Ein schönes Motiv und auch darüber hinaus bieten sich großartige Ausblicke.

Wir klettern und fotografieren fleißig, nach insgesamt vier Stunden kommen wir wieder am Parkplatz an und genießen erstmal einen Kaffee, der ist immerhin im Preis inclusive. Da das Wetter heute besser ist als gestern, fotografieren wir auch nochmal die Fischerhütten und den Múlafossur.

Um 16.20 Uhr besteigen wir die Fähre nach Mykines, es hat sich wieder etwas zugezogen, Nebel umwabert die Klippen. Vom Boot aus bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf Drangarnir und Tindhólmur. Die Wanderung zu diesem Spot haben wir für Montag auf dem Programm, aber wer weiß, wie das Wetter dann wird, wir lassen den Auslöser klicken.

45 Minuten später erreichen wir das Eiland, unser Gepäck wird mit einem Latenaufzug nach oben gefahren, wir erklimmen den Felsen über eine Treppe. Oben erwartet uns Harald unser Wirt für die kommende Nacht, blaue Augen schauen uns aus einem wettergegerbten Gesicht an und  wir folgen ihm zu unserem Quartier am anderen Ende es kleinen Ortes. Wir beziehen unsere Zimmer, für das Abendessen einigen wir uns auf 18.30 Uhr. Während Harald kocht, erkunden wir das Dorf, es beginnt zu nieseln, Nebel umgibt uns. Aus unserer romantischen Vorstellung von Papageientauchern in der Abendsonne wird wohl eher nichts werden.

Es gibt Kabeljau mit Kartoffeln, Möhren und dänischer Remoulade. Der Fisch kommt direkt von einer Art schwimmender Fischfabrik, einem Boot, wo er gefangen, filetiert und eingefroren wird, berichtet uns Harald. Es schmeckt super, nur die eine oder andere Zwiebel ist schon sehr schwarz.

Gut gestärkt ziehen wir die Stiefel wieder an (der Kleber hält!) und klettern den Berg hinauf zu den Klippen in der Hoffnung auf viele schöne Fotos von Papageientauchern. Ich schnaufe mich munter nach oben, das Wetter ist nach wie vor recht unstet, immerhin regnet es aber nicht, die Wolken hängen allerdings tief und von guter Sicht kann keine Rede sein. Dafür ist mir warm, so richtig zum bergauf wandern bin ich irgendwie nicht gemacht, aber das Ziel erfordert den Weg.

Oben angekommen sehen wir Schafe, ehrlich gesagt sieht man hier überall diese Pullovertiere, was kein Wunder ist, da es davon deutlich mehr gibt als Einwohner. Puffins sehen wir erstmal keine. Auf dem Kamm laufen wir nach Westen und plötzlich entdecken wir im Gras am Klippenrand ein Paar dieser ausgesprochen niedlichen Vögel. Teleobjektiv raus und runter ins Gras, draufhalten, die beiden fliegen davon, aber wo zwei sind, müssen auch mehr sein und so setzen wir unseren Weg fort und finden immer mal wieder welche, eine Gruppe von fünf bis sieben Vögeln auf einem Felsvorsprung tut es uns schließlich besonders an und wir beobachten ihr Treiben eine ganze Weile. Überhaupt schwirrt der ganze Himmel von allerlei Vögeln. Etwas Sonne wäre jetzt schön, aber dieser Wunsch wird uns leider nicht erfüllt. Trotzdem sind wir zufrieden mit der Fotoausbeute, gefühlt gibt es jetzt für jeden Tag des Jahres ein Bild von einem Papageientaucher. Makaber die Vorstellung, dass man die Tierchen auch als Essen zubereitet.

Unser Vorhaben weiter zum Leuchtturm zu wandern geben wir auf, da es immer nebliger wird, vielleicht haben wir morgen früh ja noch Gelegenheit. In der Annahme, es handele sich um einen Weg hinab machen wir uns an den Abstieg. Das Gras ist feucht und rutschig, außerdem stehen wir plötzlich vor einem Zaun, es war wohl doch kein Weg. Stefan steigt hinüber, ich klettere notgedrungen hinterher. Mit Zäunen haben ich ja ganz schlechte Erfahrungen...Wo ein Zaun ist, ist der nächste meist nicht weit, von unten beobachtet man uns bereits. Also nochmal über den Zaun, dann sind wir wieder im Ort. Es hält uns aber niemand an oder spricht mahnende Worte.


13. Juli 2019

Riesen, Wasserfälle und ein Sportstadion


Wir frühstücken zeitig und brechen danach auf in Richtung Leuchtturm. Es ist immer noch sehr neblig, die Hand vor Augen sieht man noch, viel weiter geht es aber auch nicht. Nasse Wiesen, nasse Schafe und eine nasse, glitschige Treppe abwärts. Letztere ist das Argument dafür, die Exkursion abzubrechen. Man sieht eh nicht viel und wir würden den Urlaub gern mit ganzen Knochen fortsetzten. Wir kehren zurück, diesmal ohne über irgendwelche Zäune zu steigen.

Um 11.05 fährt die Fähre zurück, aufgrund einer Ruderregatta (das ist hier Nationalsport) heute allerdings nicht nach Sørvágur, sondern nach Miðvágur. Das dauert 45 Minuten länger und dann stehen wir da. Der Käpt'n erklärt uns, es käme gleich jemand, der die Fahrer und auch nur die zu ihren Autos brächte. So stehe ich irgendwann einsam im Hafen von Miðvágur, bis Stefan mich wieder einsammelt und wir unsere Reise fortsetzen können. Wir wechseln die Insel, erst geht es durch den Unterseetunnel nach Streymoy und von dort nach Toftir auf Eysturoy. Hier ist unser nächstes Quartier - in einem Fussballstadion. Dusche und Toilette über den Gang, aber sauber und Dank eines Irrtums der Vermieter auch recht günstig. Wir checken ein, bezahlen und schwingen uns wieder ins Auto zum Strand nach Tjørnuvík. Die Sonne scheint und trotz Außentemperaturen von um die 13° C baden hier zu unserer Überraschung Menschen. Wir bauen unsere Stative auf, um Risin  & Kellingin abzulichten, zwei imposante Felsen. Langzeit, Kurzzeit, Weitwinkel, irgendwann sind die beiden in ausreichender Menge auf der Speicherkarte und wir können weiter nach Saksun. Am Weg liegt noch der Fossá, einer der höchsten Wasserfälle hier, allerdings führt er gerade nicht  viel Wasser und bietet daher kein gar zu beeindruckendes Bild.

In Saksun, das gewissermaßen in the middle of nowhere liegt, empfängt uns ein Parkplatz vor dem Ort und an der Kirche Stacheldraht und ein Schild "enough is enough - no more tourists", es scheint man hat den Kaffee hier bereits ein wenig auf. Einheimische begegnen uns keine, nur ein paar andere Touristen, die genau wie wir um die Grasdachhäuser und die Kirche streifen, die Aussicht genießen und Fotos machen. Eine Wanderung zur "roten Hütte" ist nicht möglich, offenbar würde der Weg weit außenrum oder über Privatgrund führen.

Auf der anderen Seite des Ortes ist auch noch ein Wanderweg am Pollurin entlang, wenn uns noch Zeit bleibt, wollen wir nochmal wiederkommen. Für heute reicht es, wir haben Hunger. Seit dem Frühstück gab es bisher nur Kekse, ein Restaurant muss her. Bloß gibt es keins, die touristische Infrastruktur ist in manchen Dingen noch recht überschaubar. Die nächsten Restaurants sind in Tórshavn und das ist weit. So bleibt nur Joe, eine Pizzeria in Hvalvik. Als wir ankommen stellen wir fest, dass es wohl auch primär ein Bringdienst ist. Vier Schwarze, die es offenbar auf die Inseln verschlagen hat, belegen eifrig Pizzen, der einzige Tisch ist bereits von anderen Touristen besetzt und an einer Art Theke sichern wir uns die verbliebenen zwei Plätze. Die Pizza ist ok, es gab ja eh keine Alternative.

Zurück in Toftir gibts Bier und Bildbearbeitung.


14. Juli 2019

Die Sonne scheint - meistens jedenfalls


Zunächst beginnt der Tag diesig, aber es klart langsam auf, wir können blauen Himmel erkennen und sogar die Sonne zeigt sich, während wir uns auf den Weg zum Strand von Mølin machen. Hier klettern wir eine ganze Weile auf den Felsen herum, um einen Blick auf Risin & Kellingin von der anderen Seite aus zu erhaschen. Von hier sieht man nur Kellingin, dafür gibt es andere schöne Motive und Perspektiven. Der Blick auf beide Felsen ergab sich dann noch von einem Aussichtspunkt direkt an der Straße weiter oben. Die Sonne scheint, der nächste Halt ist in Gjógv, ein Ort mit einer Schlucht, die einen natürlichen Hafen bildet, auch sonst ist es hier sehr pittoresk. Wir spazieren durch das Dorfzentrum und lichten ab, was wir für ablichtenswert halten, bevor wir über die nächste Butterblumenstraße weiter nach Funningur fahren, die Kirche ist sehenswert, der Fjord ebenfalls und unterwegs gibt es auch noch verschiedene schöne Fotospots.

Hunger macht sich breit, da das Restaurant in Gjógv wegen Überfüllung geschlossen war, beschließen wir in Tórshavn etwas zu essen. Die Inselhauptstadt ist klein aber fein, im Gegensatz zu den Dörfern wirkt es geradezu urban. Die Restaurants haben noch alle zu, aber im Hafen finden wir ein Café in dem es Lachfocaccia gibt, damit ist der erste Hunger gestillt. Während wir den Ort weiter erkunden, es gibt eine Fussgängerzone, eine Kirche, einen Leuchturm und natürlich die Regierungsgebäude, beginnt es neblig zu werden und zu regnen. In Hoffnung auf besseres Wetter fahren wir weiter nach Kirkjubøur an der Südspitze Streymoys. Das Wetter ist hier nicht unbedingt besser, aber die schwarzen Grasdachhäuser mit ihren roten Fenstern sind schon sehenswert, genau wie der Magnusdom aus dem 14. Jahrhundert.

Die Wirkung des Imbisses lässt so langsam nach. Wie wir bereits festgestellt haben, ist Gastronomieinfrastruktur ein Problem, daher freuen wir uns um so mehr darüber in der Nähe von Tórshavn zu sein und Chancen auf ein vernünftiges Abendessen zu haben. Wir suchen uns ein paar Restaurants heraus und klappern sie nacheinander ab. Erfolglos, nirgends ein freier Tisch verfügbar. Bei Pizza 67, einem recht räudigen Pizzarestaurant gibt es noch was, wahlweise auch Pizzabuffet. Gesund ist das hier alles nicht.

Zurück in unser Sportstadion haben wir noch eine Stunde Fahrt vor uns, Bilder, Bier und Bett....


15. Juli 2019

Furioses Finale


Nachdem wir den vorgeplanten Teil bis auf einen Punkt am gestrigen Tage bereits absolviert haben, ist der heute vor uns liegende Tag bis 15 Uhr gewissermaßen zur freien Verfügung. Wir beschließen, nochmal nach Saksun zu fahren, da gibt es noch diesen anderen Wanderweg am Pollurin, den wir erkunden wollen. Auf dem Weg nach Saksun kommen wir aber erstmal an einem Schild zu einer Butterblumenstraße (so heißen die landschaftlich schönen Strecken hier) Richtung Oyndafjarðarleið vorbei, die kennen wir noch nicht, also nehmen wir sie und landen so in Hellur und in Oyndarfjørður, zwei malerische Dörfer an den beiden Ecken einer Bucht. Zwischen beiden liegt eine Fischfabrik und in der Bucht sind Lachszuchtbecken. Darüber hinaus gibt es einen hübschen Friedhof, ziemliche viele Austernfischer (ist hier der Nationalvogel), Wasserfälle und andere fotografierenswerte Kleinigkeiten. Wir stellen ein wenig den Papagaientauchern nach. In Oyndarfjørður komme ich mit einem Einheimischen ins Gespräch, der glaubt ich suchte eine Toilette und mir seine anbietet. Da ich nicht muss, darf ich mir stattdessen Fotos vom gestern gefangenen  Kabeljau anschauen, bevor ich mit der Kamera weiter einem Austernfischer nachstelle.

Dann geht es die Butterblumenstraße wieder zurück und erneut nach Saksun, nur das wir diesmal vor dem Ort links abbiegen zu dem Parkplatz am Pollurin. Wir spazieren am örtlichen Gewässer lang, erfreuen uns an Spiegelungen und Wassferfällen und spielen mit Stativ und Filtern. Die Zeit vergeht, es ist Mittag und Hunger macht sich breit.

Heute nachmittag steht noch der letzte Programmpunkt, eine Wanderung zum Drangarnir auf der Agenda, ein Ereignis, dem ich mit gemischten Gefühlen entgegensehe. Der Felsen ist definitiv sehenswert und einer der Top Fotospots auf dem Archipel, die Wanderung dorthin führt über Privatgrund und kann nur mit einem Guide unternommen werden, dafür berechnet man schlanke 73 Euro pro Person, was ich an und für sich schon unverschämt finde. Angesetzt werden für den Trip vier bis sechs Stunden und klassifiziert wird er als schwierig - hier gehen die Berichte in den Weiten des Internets aber sehr weit auseinander. Die einen schreiben, es sei das anstrengendste, was sie in ihrem Leben gemacht haben, woanders steht, man bräuchte für den einfachen Weg zwei Stunden und es ginge einfach immer geradeaus. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich bereits schnaufend und unlustig an irgendeiner Klippe stehen, aber wer den Felsen fotografieren will, muss wohl wandern.

Wir machen uns auf den Weg zurück nach Vágar, im Bonus Supermarkt holen wir und Brötchen, Wurst, Käse und Mettbällchen um uns für das bevorstehende zu stärken, als es beginnt, kräftig zu regnen. Ein wenig frohlocken wir bereits, das der Hike bei solchem Wetter sicher abgesagt würde, was den erfreulichen Nebeneffekt hätte, dass wir das Geld zurückbekämen. Als wir am Treffpunkt , der Effo Tankstelle in Sørvágur eintreffen , sitzen dort auf der Bank bereits zwei Menschen in Regen  - Trekking - Montur und wir befürchten das Schlimmste, so optimal sind wir bei weitem nicht ausgestattet. Wir beschließen, uns beim Guide zu erkundigen, wie schwierig das ganze nun wirklich ist und dann zu entscheiden, ob mitlaufen oder nicht. Erstmal hört es aber auf zu regnen, was unseren Chancen auf Absage der Veranstaltung schonmal deutlich mindert. Auf der Tankstelle kommt eine Gruppe Asiaten an, die sich bei mir erkundigt, ob ich der Guide sei, ich verneine - wenn die wüßten...

Um kurz nach drei trifft der Guide ein, in Trainingshose, Wollsocken und Biopantoletten. Es stellt sich heraus, dass die beiden, die nach professionellen Trekkern aussahen gar nicht dazu gehören, nur die acht Asiaten und wir. Auf meine Nachfrage erklärt mir der Wanderführer, es gäbe einige schwierige Stellen, es sei aber alles zu schaffen, es gäbe auch keine Zeitnot, gegebenfalls könne man warten. Bei seinem Schuhwerk waren auch bereits all meine Befürchtungen verflogen, er sagt aber, er habe noch Wanderschuhe im Auto. Da allerdings das Wetter recht unstet sei, wolle er uns mit dem Boot rausfahren und wir wollten dann nur zurückwandern, wir jubilieren innerlich und folgen ihm um so lieber zum Boot, statt den Berg hinauf. Ich beginne mich bereits zu fragen, wie er mit uns zurückwandern will, wenn er mit dem Boot hinfährt, das kann ja schlecht dort bleiben. Das geht ihm während der Fahrt (er trägt jetzt Gummistiefel) wohl auch auf. An einer geigneten Stelle an den Felsen werden wir abgesetzt und bekommen zwei Stunden Zeit, dann werden wir mit dem Boot wieder eingesammelt. Ein schöner Tag! Es hat ein wenig aufgeklart und wir klettern über die Felsen an die Spitze der Landzunge um den gegenüberliegenden markanten Felsen abzulichten. Die Asiaten kommen überwiegend aus Thailand und sind auch alle mit Stativen bewaffnet, Wandervogel ist hier niemand, Nachdem wir unten fertig sind, geht es hinauf auf die Ausläufer des Høgafjalls, um den Drangarnir nochmal aus einer anderen Perspektive zu belichten. Die dahinterliegende Insel Tindhólmur hüllt sich in Nebel.

Schließlich sind so ziemlich alle Brennweiten und Belichtungszeiten durchprobiert und wir wandern wieder hinab zu den Felsen, noch ein paar Steine und grünen Schleim fotografieren, dann sind die zwei Stunden auch bald rum und wir werden pünktlich wieder an Bord genommen. Als krönenden Abschluß geht es jetzt mit dem Boot nocheinmal durch das Tor im Dragnarnir Felsen hindurch und auf der anderen Seite  der Insel in die Munkastova, die angeblich zweitgrößte Höhle der Welt, so sagen  jedenfalls manche Faeringer. Das ganze ist ziemlich beeindruckend und unsere Fotogruppe ist wie wild am knipsen. Gemütlich geht es dann wieder nach Sørvágur zurück. Wir sind glücklich und zufrieden, besser hätte dieser Ausflug gar nicht laufen können und zu den Bedingungen waren die 73 Euro auch eine vertretbare Ausgabe. Man stelle sich vor, ich hätte dafür selber laufen müssen.

Diesem krönenden Abschluss folgt noch ein weiterer kulinarischer.  Wir kehren wieder in unserem B&B aus der ersten Nacht ein und fragen Sølvi, unseren Gastgeber, ob es außer der Burgerbraterei gegenüber noch eine Alternative auf der Insel gäbe und er empfiehlt uns das Café Fjørdoy. Wir eilen also zurück zum Hafen, um 20.30 Uhr macht da nämlich die Küche zu. Das Angebot ist überschaubar, aber es gibt Lachs und genau den wollen wir, mit Kartoffeln und Gemüse, dazu ein Bier. Wunderbar und wirklich ausgesprochen lecker. So darf so ein Kurztrip gerne ausklingen.


16. Juli 2019

Heimwärts


Um 7 Uhr frühstücken wir und fahren danach zum Flughafen Vágar, der ist nur fünf Minuten entfernt und bietet sehr kurze Wege. Wir labeln unsere Koffer am Automaten und stellen sie auch selbst aufs Band. Die gesamte Flotte der Atlantic Airways parkt vor dem Fenster. Nummer eins fliegt nach Kopenhagen, Nummer zwei nach Barcelona und Nummer drei bringt uns pünktlich nach Billund.

Das Auto steht auch noch da und nach zwei Staus auf der A7 sind wir dann sechs Stunden später auch wieder daheim in Hannover. Vor dem Elbtunnel wird dem Motor noch ein wenig warm (der Kühlerlüfter wird erst nächsten Monat repariert), doch Stefan weiß Abhilfe: Wir drehen die Heizung auf 28° C und machen die Fenster auf. Gott sei Dank beruhigt sich die Verkehrslage nach dem Tunnel.

Es liegen fünf spannende Tage mit allerlei schönen Motiven hinter uns. Fotografisch war es ein Füllhorn, die Insel ist landschaftlich reizvoll, wir waren die ganzen Tage viel an der frischen und guten Luft und haben eine Menge gesehen. Visit Faroe Islands arbeitet seit Jahren daran die Touristen auf der Insel zu vermehren, seitdem das Archipel nun aber eine Art Trendziel geworden ist, scheint man ein wenig Schwierigkeiten mit den Geistern zu haben, die man da rief. So ganz sind die Eilande dem Ansturm noch nicht gewachsen, der da auf sie einstürmt. Kulinarisch habe ich es vom Lachs mal ab, eher als die Hölle empfunden, was einfach an der geringen Zahl an Restaurants liegt, andererseits kann man in Orten mit einer Handvoll Einwohner wohl auch nicht damit rechnen, dass da noch jemand Touristen bekochen mag.

Wo viele Menschen langlaufen, hinterlassen sie Spuren, ob die richtige Antwort darauf astronomische Preise für die Nutzung von Wanderwegen oder für Ausflüge sind, bleibt eine offene Frage, ähnliches gilt für das Preis- / Leistungsverhältnis bei den Unterkünften. Nicht jedes Wohnklo ist gleich ein Bed & Breakfast, auch wenn das Frühstück lecker ist.

Hier scheint es noch einen gewissen Bedarf zur Selbstfindung zu geben, bei den Tourismusverantwortlichen genauso wie bei den Einwohnern, die ersten Plakate mit der Aufschrift "No more Tourists" hängen ja bereits. Ich habe jedenfalls eine Menge neuer und schöner Eindrücke sammeln können und falle heute abend zufrieden wieder in mein eigenes Bett.