Georgien - mueslipics

Eine Reise nach Tiflis, Stepanzminda und Batumi

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26. Juni 2017

Auf geht's


Es wird Zeit, mal wieder andere Gesichter zu sehen, diesmal soll die Reise nach Georgien führen, ein Land zwischem schwarzem Meer und Kaukasus am Rande Europas, vielleicht auch schon in Asien, so ganz einig scheint man sich da nicht zu sein. Warum ausgerechnet Georgien? Gute Frage! In erster Linie, weil es dort sehr schön sein soll, zum Zweiten, weil es noch "off the beaten track", aber scheinbar stark im Kommen ist und zum Dritten weil es meiner Leidenschaft für postsozialistisches doch sehr entgegenkommt. Der Reisejournalist Philipp Laage hat einen sehr liebevollen Bericht über Tiflis geschrieben, der meine Sehnsucht geweckt hat, micht hier einmal genauer umzuschauen. Und so besteige ich heute nachmittag die Lufthansa nach München, um dort noch einen Freund zu besuchen und dann morgen nach Tiflis weiterzureisen. Die Spannung steigt.



27. Juni 2017

Sommer in München


Nach einem schönen Abend in einem Münchner Biergartem, Hellem und Würsteln, schnappe ich mir meine Kamera und ziehe bei strahlendem Sonnenschein ein wenig durch die Stadt zum Fotografieren. Bekanntlich kann das Wetter es einem ja nie recht machen und so geht es mir heute auch, mir ist warm, aber das ist nur eine Kostprobe dessen, was mich in den kommenden Tagen erwarten soll, die 30 Grad Marke knackt München noch nicht. Ein Freund bringt mich am Abend raus zum Flughafen, wir essen gemeinsam noch eine Pizza und dann treffe ich mich am Gate mit meiner Freundin Sylvie um nach Tiflis aufzubrechen. Das Flugzeug ist da, die Crew noch nicht, denn draußen ist ein Gewitter aufgezogen, mit einer halben Stunde Verspätung steigen wir aber um 22.15 in den Nachthimmel über dem Erdinger Moos - Bestimmungsort Tiflis

27. Juni 2017


28. Juni 2017

36 Grad und es wird noch heißer


Der überaus angenehme Flug dauert nicht ganz vier Stunden. Die Crew hat offensichtlich Spaß bei der Arbeit und gibt alles, das Essen schmeckt und gegen 4 Uhr lokal landen wir am Tifliser Flughafen. Alles hier ist recht überschaubar, die Einreise geht schnell und auch auf unsere Rucksäcke müssen wir am Kofferband nicht lange warten. Schnell noch ein paar georgische Lari am Automaten ziehen, dann begeben wir uns in die Hände unserer Abholerin, die uns zu unserem airbnb Apartment bringt, das für die kommenden Tage unsere Heimat sein soll. Unser Gastgeber Oleg heißt uns willkommen in einem renovierten "Arbeiterpalast" aus Sowjetzeiten. Der Fahrstuhl, der uns in den 5. Stock bringt, wirkt nicht besonders vertrauenserweckend, aber Oleg versichert uns, das wir uns keine Sorgen machen müssten. Nach einer kurzen Erläuterung der Gegebenheiten in unserer Unterkunft und wie man in Tiflis die Metro benutzt, bleiben wir uns selbst überlassen. Draußen beginnt es zu tagen. Mit meiner Kamera fange ich die wunderbare Aussicht ein, dann eilen wir in den 24 Stunden Supermarkt um die Ecke, Wasser kaufen und legen uns für ein paar Stunden aufs Ohr.

Am späten Vormittag fühlen wir uns gestärkt genug, die Stadt zu entdecken, es ist heiß draußen, verdammt heiß, wir stoppen an der erstbesten Bäckereibude und erwerben gebackenes, das Chatschapuri hier beglückt uns allerdings nicht, ebenso wenig das Würstchen im Schlafrock, ein paar Läden weiter gibt es attraktivere Speisen, damit sind auch unsere Mägen zufrieden. Nun noch schnell für kleines Geld eine georgische SIM Karte erworben, um unterwegs Zugriff aufs Internet zu haben und dann laufen wir die Davit Agmashenebeli Avenue entlang in Richtung Stadtzentum.

Es empfängt uns eine spannende Mischung, renovierte Häuser, Straßencafés, Attribute einer modernen Großstadt, aber auch verrotzte Hinterhöfe, Autos die schon bessere, viel bessere Tage gesehen haben und postsowjetisches Ambiente. Am Ufer der Kura entlang führt uns unser Weg vorbei an modernster Architektur, die sich teilweise etwas deplaziert ausnimmt und doch widerspiegelt, was Georgien werden möchte: modern und europäisch, nach der Rosenrevolution von 2003 kann es nur eine Richtung geben. Federführend war hier der Ex-Präsident Micheil Sakaaschwili, der das heutige Bild Georgiens prägte und das Land gen Westen orientierte, bis er schließlich darüber stolperte, dass er bei Abschaffung aller Korruption "mein und dein" auch nicht so recht auseinanderhalten konnte.

Erstes architektonisches Highlight auf unserem Weg ist die Public Service Hall, im Volksmund Pilzhaus genannt, gefolgt vom etwas kitschigen Präsidentenpalast, dem lindwurmähnlichen Musiktheater und Ausstellungshalle und schließlich der Friedensbrücke über die Kura die mit Lichtinstallationen versehen ist. Wir sind im Rike Park und am Europaplatz angelangt und brauchen erstmal einen O-Saft. Flüssigkeit ist bei den Temperaturen wichtig, sie verdunstet fast schneller, als wir trinken können...

Auf dem Europaplatz wehen immer abwechselnd die Europaflagge und die georgische Flagge, schön zu sehen, dass sich Völker für die europäische Idee begeistern können, in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Vom Rike Park führt eine Seilbahn auf den Sololaki, wir fahren hinauf und statten Kartlis Deda, der Mutter Georgiens einen Besuch ab, die ihren Blick über die Stadt schweifen lässt. Für Freunde hält sie georgischen Wein bereit, für Feinde ein Schwert. Straßenmusikanten musizieren, der Blick über die Stadt ist wunderbar und mit frischer Ananas und Melone tun wir was gegen den Hunger. Wir steigen den Sololaki über Treppen zu Fuss wieder hinab und durchqueren dabei Teile der Altstadt, es wird gebaut und renoviert, manches sieht ziemlich unbewohnbar aus, andere Fassaden glänzen. Wir kommen an der Betlehem Kirche vorbei und landen schließlich auf der Kote Afkhazi Straße, im "keep calm Tbilisi" gönne ich mir ein Bier, Sylvie möchte einen Latte Macchiato, der unglaublich lange in der Zubereitung braucht und schließlich kalt ist. Es scheint sich hier nicht um das populärste Getränk zu handeln.

Letzte Etappe unseres Stadtrundgangs wird der Freiheitsplatz mit dem alten Rathaus und der Säule mit dem vergoldeten heiligen Georg, dem Drachentöter. Auf dem Rustaveli Boulevard kommen wir noch an verschiedenen Theatern vorbei und am georgischen Parlament. Die Metro bringt uns heim, in erstaunlicher Tiefe durchquert sie die Stadt im Untergrund mit hoher Geschwindigkeit und viel Gehoppel.

Nachdem wir uns in unserer Bleibe ein wenig erfrischt haben, geht es nochmal hinaus auf die Agmashenebeli, wir haben Hunger. Ein Lokal reiht sich unweit unseres Hauses ans nächste, Straßenmusik erklingt und erforschen die georgische Küche. Faszinierendste Erfahrung des Abends ist, das georgische Tomaten auch nach Tomaten schmecken. Schade, dass man das in niederländischen Gewächshäusern nicht schafft.

In unseren Schlafzimmern ist es warm, sehr warm, aber Gott sei Dank gibt es eine Klimaanlage.

28. Juni 2017


29. Juni 2017

Klatschnass im Kaukasus


Nach unseren Frühstückerfahrungen von gestern entscheiden wir uns heute für den Dunkin Donuts direkt neben unserem Hauseingang. Pünktlich um 9 Uhr stehen Fahrer und Guide für unseren Ausflug in den Kaukasus vor der Tür, nach Norden geht es aus der Stadt hinaus auf der georgischen Heerstraße, der Hauptverbindung nach Russland, erster Stop ist der Zhinvali Stausee mit einem der größten georgischen Wasserkraftwerke. Die Landschaft ist bergig, nicht nur Tiflis erhebt sich auf verschieden Hügeln über der Kura, auch rings um den Stausee überall grüne Berge. Ein Gemisch aus Sonne und Wolken begleitet uns, ein schönes Lichtspiel am Himmel. Wir werden über die Bedeutung der Route nach Russland aufgeklärtund allerlei Schwerverkehr schiebt sich mit uns in Richtung Stepanzminda.

Wir besichtigen die Ananuri Festung aus dem 13. Jahrhundert und sind fasziniert als wir am Zusammenfluss vom schwarzen und weißen Aragwi bei Pasanauri stehen, einem Nebenfluss der Kura, der eine Arm wirkt tatsächlich schwarz, der andere weiß. Sattes Grün begleitet uns, ab und an einmal werden wir von Kühen gestoppt, die die Straße überqueren, plötzlich Sinterterassen neben der Straße, eine Art georgisches Pamukkale und das Wasser soll auch ganz besonders gesund sein. Wir probieren Tschurtschchela, georgisches Snickers, Walnüsse, die mit einer Kuvertüre aus angedicktem Traubensaft überzogen sind, schmeckt – nunja – interessant.

Wir erreichen Stepanzminda, das etwa 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt und wechseln das Fahrzeug, ein vierradgetriebener Mitsubishi soll uns hinaufbringen zur Gergeti Dreifaltigkeitskirche auf 2170 Metern. Man könnte auch wandern, es dauert etwa vier Stunden, soviel Zeit haben wir nicht. Über eine Straße, die diesen Namen nicht wirklich verdient schaukeln wir uns langsam hinauf. Unser Fahrer macht das öfter, telefonieren während der Fahrt stellt für ihn kein Problem dar. Oben angekommen zieht der Himmel sich zu und lässt einen Hagelschauer auf uns herab. Wir suchen Unterschlupf in Kirche und Kapelle, der Blick auf den Berg Kasbek ist verhangen, das Wasser steht uns in den Schuhen. Dann donnert es noch und wir verjagen uns fürchterlich. Vielleicht hätte ich doch nicht in kurzen Hosen ins Gotteshaus gesollt.

Der Mitsubishifahrer hat nur begrenzt Zeit, so dass wir nicht auf besseres Wetter warten können. Als wir den Berg wieder hinabfahren, hat die Straße sich bereits in einen reißenden Bach verwandelt, trotzdem kommen wir heile unten an. Wir steigen wieder in unser Fahrzeug um, nass sind wir ja eh schon, kaum haben wir Stepanzminda wieder verlassen, wird es wieder hell und trocken.

Das nächste Ausflugshighlight stammt aus sowjetischer Zeit, das Panoramamosaik für Georgien unweit des Skiresorts Gudauri, die Aussicht ist großartig, das Mosaik der pure Sowjetkitsch. Unsere Mägen knurren, es ist bereits 15.30 Uhr und wir stoppen zum Lunch, Schaschlik, Chatschapuri (diesmal schmeckt es), Kartoffeln und Salat und ganz böse, in einer Wasserflasche getarnter Tschatscha, georgischer Grappa. Unser Fahrer muss natürlich nüchtern bleiben, wir dürfen trinken, auf Deutschland, auf Georgien, auf die Völkerfreundschaft (Drushba!) – böses Zeug, hoffentlich macht es nicht blind – betrunken macht es in jedem Fall.

Auf der Rückfahrt begegnet uns noch ein Verkehrsschild, wir sind 1240 Kilometer von Teheran entfernt, das ist nicht weit. Für ein Foto des ebenfalls aus Sowjetzeiten stammenden Hauptquartiers der Bank of Georgia – früher war es das Verwaltungsgebäude des Ministeriums für Straßenbau, hält unser freundlicher Fahrer einfach auf der Einfallstraße nach Tiflis an und macht die Motorhaube hoch. Ich mache meine Fotos und wir fahren weiter. Um 18 Uhr sind wir wieder in unserer Tifliser Unterkunft. Es begann direkt wieder zu gewittern, wir relaxen auf unserem überdachten Balkon und fotografieren Blitze.

29. Juni 2017


30. Juni 2017

Ins Vegas am Schwarzen Meer


Bahnreisen entschleunigt ja angeblich, in Georgien tut es das besonders, jedenfalls wenn man in den Besitz einer Fahrkarte gelangt ist. Die Homepage der georgischen Eisenbahnen verkauft auch online Tickets, ab 40 Tage vor Reisedatum, so steht es dort zu lesen. Hat man sich für den Onlineticketkauf registriert, dann kann man aus allerlei Parametern auswählen: Abgangs- und Zielbahnhof, modernized, non-modernized, erste Klasse, zweite Klasse, Business class und was nicht noch alles, allerdings muss die Kombination der Parameter richtig sein, damit einem überhaupt etwas angezeigt wird und egal ob zwei, zehn oder 38 Tage im Voraus, es wurde gar nichts angezeigt, erst bei richtiger Kombination, guter Laune und positiver kosmischer Strahlung war es ca drei Wochen vor der Reise so weit, es tauchten plötzlich Züge auf und ich konnte buchen, eine Hinfahrt von Tiflis nach Batumi in der ersten Klasse für 10 Euro pro Nase, modernisierter Zug, Fahrdauer für etwa 380 Kilometer fünf Stunden. Rückfahrt Fehlanzeige, doch ich gab nicht auf und ca. weitere zehn Tage später gab es auch hier ein Angebot, allerdings 200 Prozent teurer als die Hinfahrt, wir beschränkten uns daher auf die zweite Klasse. Mittlerweile hat man die Seite etwas überarbeitet, vielleicht geht es jetzt besser.

Da wir nicht allzuviel Zeit hatten, die Züge selten fahren und wir doch so gern das Schwarze Meer sehen wollten, reichte es nur für einen Kurztrip, Freitag morgen hin, Samstag morgen zurück. Alternative wäre eine Fahrt mit dem Marschrutka gewesen, die Vorstellung eingeklemmt in einem Minibus mit vielen Menschen fünf Stunden durch die Berge zu heizen war allerdings wenig sympathisch, daher die Eisenbahn. Und so sind wir Freitag morgen mit der Metro zum Bahnhof gefahren, um unseren Zug zu besteigen. Wer bereits einmal in Russland Eisenbahn gefahren ist, kennt das procedere, das auch in Georgien Anwendung findet. Jeder Wagen (unser moderner Doppelstockzug der Schweizer Firma Stadler in georgischen Farben hatte derer vier) hat seinen eigenen Schaffner/(-in) (provodnik/provodniza genannt), der die Einsteigenden kontrolliert. Die Tickets sind namentlich und mit Ausweisdokument, man wird auf einer Liste abgehakt, so das der Einstieg bereits einige Zeit in Anspruch nimmt. Doch pünktlich setzen wir uns westwärts in Bewegung. Die Geschwindigkeit schwankte zwischen 49 und 109 km/h - nächster Halt Kobuleti. Das WLAN funktioniert super!

Ebenso pünktlich laufen wir mittags in Batumi ein, die Skyline spiegelt mit dem Alphabet Tower und modernen Hotelbauten sowie einem Riesenrad die bereits erwähnte architektonische Experimentierfreude georgischer Stadtplaner wieder. Es ist heiß, aber eine leichte Meeresbrise machte das ganze aushaltbar. Mit dem Taxi geht es zu unserer Unterkunft, ein Erdgeschossstudio im Hinterhof des Radisson Blu Hotels und damit mitten im Zentrum des Geschehens. Batumi ist die zweitgrößte Stadt des Landes, 18 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt (ebenfalls ein architektonisches Highlight) und Hauptstadt Adschariens, eine teilautonome Republik, die sich im Rahmen des Zerfalls der Sowjetunion von Georgien abspaltete und von einem ehemaligen Minister und seiner Familie bis 2004 wie ein Fürstentum regiert wurde. Im Zuge der Rosenrevolution wurde das Land aber wieder Teil Georgiens, eine gewisse Autonomie blieb allerdings erhalten. Wer möchte, kann neben dem Bad im Meer auch sein Geld im Kasino durchbringen.

Wir sind gekommen, um das Meer zu sehen und so führt uns unser erster Weg an den (Stein-)Strand. Badeschuhe sind unbedingt zu empfehlen, sonst tut es weh. Das Wasser hat angenehme Badewannentemperatur, so dass wir uns erfrischt auf die Suche nach Essbarem machen, in einem ukrainischen Restaurant laben wir uns an Salaten, erneut Tomaten, die auch so schmecken.

Es folgt ein Rundgang, erst entlang der Promenade, dann mit der Seilbahn hinauf auf einen Berg, um die Aussicht auf die Stadt und die Umgebung zu genießen. Fahrt und Blick lohnen sich unbedingt! Wieder unten streifen wir durch die Straßen, das bunte Treiben beobachten, uns russisches Eis gönnen, die architektonischen Wunderlichkeiten bestaunen und entschließen uns, wieder ins Schwarze Meer zu steigen. Sommertage an Stränden muss man genießen, in der Beachbar Iveria kehren wir zum Sundowner ein und bleiben gleich zum Abendessen.

Nach Einbruch der Dunkelheit bewundern wir noch die Aussicht vom Riesenrad über die erleuchtete Strandpromenade und machen ein paar Fotoes. Schön ist auch die Installation Ali & Nino, basierend auf einer Novelle, am Strand. Am Tanzbrunnen erklingt Musik aus Riverdance und die Fontänen hüpfen dazu im Takt, spätestens hier ist das Vegasfeeling dann perfekt.

30. Juni 2017


1. Juli 2017

Tolles Tiflis


Um 7 Uhr holt uns das Taxi wieder ab und um 7.30 Uhr sitzen wir im Zug zurück nach Tiflis, diesmal in der zweiten Klasse, funktionierendes W-Lan auch hier, allerdings teilweise drei Sitze in einer Reihe und alles etwas enger. Fährt sich aber nicht wirklich schlechter. Fünf Stunden später laufen wir gut gekühlt und tiefenentspannt im Tifliser Bahnhof wieder ein, der Rest unserer Reise konzentriert sich jetzt in den verbleibenden anderthalb Tagen auf die georgische Hauptstadt. In unserem Apartment stärken wir uns ein wenig und müssen feststellen, dass das Wasser abgestellt ist. Unseren Vermieter erreichen wir nicht. Um so erfreuter nehmen wir zur Kenntnis dass es plötzlich wieder läuft. Wir setzen unsere Besichtigungstour fort, fahren zum Freiheitsplatz und schlendern von dort zum Rike Park umd mit der Seilbahn wieder auf den Sololaki zu fahren, diesmal mit dem Ziel Nariqala Festung, die wir erst nach einigen Irrwegen finden und erklimmen. Man kann hier in der Tat klettern, Geländer gibt es keine, Flip Flops sind kein Hindernis und belohnt wird man mit schönen Ausblicken über die Stadt. Wir steigen zu Fuss wieder ab in die Altstadt und kehren im Carpe Diem zu hausgemachtem Eistee, Apfelkuchen und Vanilleeis ein - lecker!

Es ist heiß und trocken, die Luft flirrt, dennoch gibt es noch ein paar Sehenswürdigkeiten abzuklappern, nächstes Ziel ist der nächste Berg, der Mtazminda. Hier hinauf geht es mit der Standseilbahn, um diese zu erreichen, müssen wir aber noch einige steile Straßen hinaufklettern. An der Talstation sind wir überrascht, welch ein Auftrieb hier herrscht, allerlei Menschen in feinstem Zwirn und Kleid warten mit uns auf eine der nächsten Bahnen, den Namensschildern nach tippen wir auf lauter frischgebackene Ärzte, da kann uns ja nicht viel passieren. Oben angekommen befinden wir uns mitten im Vergnügungspark Mtazminda. das Riesenrad ist über die Stadt weithin sichtbar, genau wie der Fernsehturm. Darüber hinaus gibt es eine Wildwasserbahn und allerlei weitere Fahrgeschäfte. Außerdem findet hier gerade ein Street Food Festival statt. Wir lassen die Stimmung auf uns wirken, genießen die Aussicht und den Schatten der Bäume bevor uns der Trubel und die Massen von Menschen zu viel werden und wir uns entschließen wieder hinunter zu fahren. Wir machen uns frisch und kehren erneut ins Aripana ein. Das Knoblauchhuhn istganz lecker beim "ham" vergreifen wir uns, er entpuppt sich als Bauchspeck - nicht mein Fall. Aber die Tomaten....

Eine laue Sommernacht, es ist warm und wir genießen einfach, Verpflichtungen haben wir keine mehr, das Bier schmeckt und wir diskutieren über Gott und die Welt.

1. Juli 2017


2. Juli 2017

Markt und Bäder


Ein Sonntag wie er sein soll, erstmal ausschlafen, Frühstück bei Dunkin Donuts und dann auf den Markt, der sich rund um den Tifliser Hauptbahnhof erstreckt. Neben allerlei Nippes, erstaunlich günstigen und daher vermutlich gefälschten Markenartikeln gibt es frisches Obst, Gemüse und natürlich Tschurtschchela. Es sind viele Menschen unterwegs, die Auslagen gefallen uns und wie es auf Märkten so ist, der Besuch ist spannend und empfehlenswert. Von hier aus besteigen wir die Metro und fahren einfach mal zur Endstation Teatri Akhmetelis, wir sind neugierig auf ein Wohngebiet und werden nicht enttäuscht. Bester sowjetischer Plattenbau in nicht mehr ganz frischem Zustand erwartet uns, wir wollen einfach mal sehen, wie man so lebt ein Tiflis. Als eine Frau einen großen Teddy zum trocknen auf die Wäscheleine vor ihrem Fenster hängen will, schlägt mein Fotografenherz höher. Sie posiert für mich und meine Kamera und ich bedanke mich: madloba (მადლობა)

Die Gegend ist sehr belebt, direkt an der U-Bahn Station ist ein Einkaufszentrum, welches wir entern, das Shoppingherz beginnt zu schlagen und wir erstehen ein paar Kleinigkeiten, bevor ein letztes Mal in die Altstadt fahren, um den Teil zu erkunden, den wir gestern links liegen ließen, das Bäderviertel. Erstmal stärken wir uns im Tredici, die Tomaten erwähnte ich schon, oder? Uns bieten sich noch allerlei schöne Aussichten an diesem Nachmittag und wir erklimmen auch noch ein paar weitere Altstadstraßen um die spezielle Mischung von vergangenem und Moderne in uns aufzusaugen, bevor es Zeit wird, ans Kofferpacken zu denken. Zurück am Marjanishvili Platz kehren wir noch in einem Haushaltswarengeschäft ein, um unsere letzten Lari auf den Kopf zu hauen für eine Teekanne mit Blumendekor und ein paar Plastikschalen, als die Bedienung uns auf deutsch anspricht und sich erkundigt, was wir in Georgien machen. Sie war für ein Jahr Au Pair in München.

Wir packen unsere Rucksäcke, essen noch einmal georgisch und gehen dann schlummern, der Wecker klingelt mitten in der Nacht, um 3.45 Uhr müssen wir schon zum Flughafen aufbrechen.


Georgien ist schön und lohnt eine Reise. Sicher gibt es noch viel mehr zu entdecken, als wir in den paar Tagen machen konnten, auf jeden Fall haben wir ein Reiseziel gesehen, dass wir weiterempfehlen können. Bestes Wetter, nette Menschen, viel sehenswertes und ganz tolle Tomaten ;-)



2. Juli 2017