Ein Roadtrip zwischen Fjell und Fjord

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Die Vorgeschichte


Ich bin in Dänemark und feiere Weihnachten mit der Familie, wir lassen das Jahr Revue passieren und Frede berichtet von einem Trip nach Norwegen, den Preikestolen hatten sie dort bestiegen, abends mit der Fähre in Hirtshals los, morgens in Stavanger angekommen und dann zum Parkplatz gefahren und rauf auf den Felsen über dem Lysefjord. Mir werden Bilder gezeigt und in mir reift eine Idee, wo ich 2022 meinen Urlaub verbringen könnte.

Norwegen steht eh schon länger auf der Liste, in Oslo und Bergen war ich schon, mit der Bergbahn bin ich schon gefahren, aber so richtig eingetaucht in die Landschaft bin ich bisher nicht. 

Wieder daheim in Deutschland überlege ich, mit wem ich das wohl machen könnte, ich frage Ina, die fliegt eh nicht gerne, dafür mag sie Wandern und Natur und kann sich schnell für die Idee eines Roadtrips erwärmen. Als ich Daniel davon berichte, ist er Feuer und Flamme und möchte mit, bloß kennen sich Ina und Daniel noch gar nicht, also vergesellschafte ich die beiden kurzerhand und man ist sich einig, das könnte was werden.  

Zu guter letzt schließt sich noch Gabi an, die hat zwar keine Zeit für einen Roadtrip, aber mal eben auf den Preikestolen, das geht schon.

Und wenn schon nach Norwegen, dann doch bitte dann, wenn es da lange hell ist. Mittsommer soll es sein, also im Juni


10. Juni 2022

Morgen geht's los


Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, wir haben Karten studiert, uns informiert, eine Exceltabelle gebastelt und immer wieder geändert, Programmpunkte aufgenommen, verworfen und neue ergänzt. Fähren und Unterkünfte sind gebucht, eine Kühltasche ist organisiert, morgen kann es losgehen. Wir hoffen optimal geplant zu haben und sind gespannt, was uns erwartet.

Draußen scheint die Sonne, es ist bestes Wetter, Daniel kommt nach dem Feierabend vorbei und nimmt schonmal erste Sachen von mir mit, auf meinem Balkon nehmen wir ein Bier, skål!


11. Juni 2022

Es regnet gerade nicht


Um 5 Uhr morgens klingelt der Wecker, die längsten Tage des Jahres liegen vor uns und freudige Aufregung macht sich breit. Ich packe die letzten Sachen zusammen, sammele Ina ein und wir fahren zu Daniel, mit dessen Auto wir Norwegens Landschaftsrouten erkunden wollen. Nachdem alles verstaut ist, sieht es ein wenig aus, als wollten wir auswandern, wir drei passen aber auch noch ins Auto, los gehts.

In Flensburg tanken wir nochmal, bevor in Dänemark alles teurer wird, eigentlich wollen wir hier auch noch Bier für die Reise kaufen, im Grenzhandel, der von Dänen rege genutzt wird, gibt es dieses aber nur mit einer Exportbescheinigung für Dänen. Nichts zu machen. Wir trösten uns daher mit einem HotDog bei Annies Kiosk  hinter der Grenze und lassen uns Softeis auf die Klamotten tropfen. Die Flensburger Förde blitzt im Sonnenschein - Herrlich!

In Aalborg kaufen wir schließlich noch etwas Bier für die Reise, allemal billiger als in Norwegen, die Einfuhrbestimmungen legen wir hierbei großzügig aus. 

Wir sind gut durchgekommen und erreichen Hirtshals zeitig. Es reicht noch für einen Ausflug zum Leuchtturm und ein paar Fotos, dann treffen wir uns mit meiner Cousine Liggi und Michael im Hirtshals Fiskehus zu einem gemeinsamen Abendessen. Mitbringsel aus Deutschland wechseln den Besitzer. Nutella geht immer...

Nachdem wir unseren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren gestillt haben, reihen wir uns ein für unsere nächtliche Fahrt mit der MS Stavangerfjord nach Stavanger. Während wir warten suche ich meine Brille, die hatte ich vorne ins Auto gelegt, da ist sie nicht mehr. Gucken kann ich zwar auch mit der Sonnenbrille, aber schlecht im Dunkeln. Die Stimmung im Auto kommt kurze Zeit dem Gefrierpunkt sehr nahe, denn da wo ich sie hingelegt hatte, liegt jetzt Daniels Brille. Nach einigen Diskussionen stellt sich raus, sie liegt auf dem Fahrersitz, Daniel sitzt drauf. Das hat der Brille nicht geschadet und als wir auf die Fähre rollen, ist der Frieden im Auto wiederhergestellt.

Wir beziehen unsere Innenkabine, es ist wenig Platz, einer kann sich bewegen, wenn die anderen beiden liegen, Gabi ist zwischenzeitlich mit dem Flieger in Stavanger gelandet und checkt schonmal den Strand. Man hat ihr allerdings den Rückflug gecancelt, aber auch dieses Problem wird schließlich gelöst.

Zur Gewöhnung an die Preise bestellen wir einen Krug Bier, wir sehen Hirtshals am Horizont verschwinden und betten uns schließlich zur Ruhe. Ich habe welche, die anderen beiden leiden.

666 km


12. Juni 2022

Ich habe diese Probleme nicht


Seefestigkeit ist nicht jedem gegeben. Ina schlägt das Frühstück aus, sie kämpft morgens noch mit dem Abendessen, dass ihr durch den Kopf geht. Daniel schaut mir derweil leidend zu, wie ich frühstücke, bekommt aber keinen Bissen herunter und beklagt, dass es schaukelt, derweil sehen wir draußen unter grauen Wolken die norwegische Küste vorbeiziehen. Es regnet. 

Wir erreichen Stavanger pünktlich um 6.30 Uhr, die Zollkontrolle geht reibungslos vonstatten. Wir stellen unsere Sachen am Hotel ab und wollten nun eigentlich zum Preikestolen, beschließen aber das Programm kurzfristig zu ändern. Wir fahren zu Gabi, die in ihrem Hotel frühstückt, hier bringen nun auch Ina und Daniel etwas runter, nachdem Ina ihren Magen vor dem Haus nochmal freigeräumt hat. 

Alle zusammen fahren wir nach Stavanger rein und besichtigen die Stadt, der Regen lässt ein wenig nach, allerdings ist der Besichtigungsteil auch recht schnell erledigt, so stärken wir uns mit Tee und Rübenkuchen bei Bøker og Børst und fragen um 12.30 Uhr mal freundlich im Hotel an, ob die Zimmer wohl schon bezugsfertig seien. Dies ist nicht der Fall, wir sollen gegen 14 Uhr nochmal fragen. Draußen regnet es wieder stärker, daher nehmen wir in der Lobby Platz und warten.... und warten... um 14 Uhr vertröstet man uns auf 15 Uhr, das wäre eh die normale Check In Zeit. Wir warten also weiter. Punkt 15 Uhr wollen wir freudig unsere Schlüssel in Empfang nehmen, jetzt erklärt man uns, wir hätten angegeben wir kämen erst um 17 Uhr, daher seien unsere Zimmer noch nicht fertig. Die Raumtemperatur steigt, die Stimmung sinkt. Dafür klart es draußen auf. Wir beraten uns kurz, lassen uns den Gepäckraum aufschließen und ziehen uns um. Der Wetterbericht für den Folgetag ist noch schlechter als der für den Nachmittag, Preikestolen here we come.

Zwischen zwei Kreisverkehren fahren wir ein wenig auf und ab bis das Navi und wir uns über den Weg geeinigt haben, dann geht es durch den längsten Unterwassertunnel der Welt, den Ryfylketunnel nach Osten und eine Stunde später stehen wir auf dem Parkplatz am Wanderweg zum Preikestolen. Für günstige 25 Euro dürfen wir hier den Wagen abstellen und machen uns auf den 4 Kilometer langen Wanderweg. 

Generell bin ich ja der Auffassung, dass Wandern völlig überbewertet wird, aber wer sich die Welt von oben anschauen will, muss nunmal leider hin und wieder Berge oder Felsen erklimmen. Die ca. 500 Höhenmeter überwinden wir in etwa zwei Stunden, bei Regen und grauem Wetter geht es über Stock und Stein. Gerade, ebene Abschnitte wechseln sich ab mit steileren Stücken, mal bergauf und dann auch wieder runter. Spannend ist jetzt noch die Frage, wie sich die Höhenangst von Ina und Daniel auswirkt. 

Adrenalingeschwängert und euphorisch erreichen wir den letzten Abschnitt und beinahe wird ein kleines Stück Weg, an dem es eng wird Ina zum Hindernis. Daniel nimmt all seinen Mut zusammen und schließlich gelingt es auch Ina, dieses kleine Stück zu überwinden. Dann stehen wir auf der Plattform und könnten in den Lysefjord hinabblicken, wenn es nicht so wolkig wäre.

Von oben ist es nach wie vor mal mehr, mal weniger feucht, doch dann hat Petrus ein Einsehen und gibt auch einen kurzen Augenblick den Blick nach unten frei. Wir sind glücklich und machen Fotos. Einen Vorteil hat das miese Wetter, es ist ziemlich leer. Ich bin echt geflasht, hier oben zu stehen und für den Moment ist mir alles egal. Vielleicht hat Wandern doch seine Vorteile. Nach einer Stunde haben wir alles gesehen, der Regen wird wieder stärker und wir treten den Rückweg an. Hier liegt die hohe Erwartung nun nicht mehr in der Aussicht, sondern im Wunsch den Parkplatz wieder zu erreichen. Ich setze mich auch nur viermal auf den Hintern und sehe schließlich dort etwas mitgenommen aus. Die eben noch vorhandene Euphorie weicht und macht Müdigkeit Platz. Wir sind alle einigermaßen erledigt aber sehr zufrieden. Im Hotel sind jetzt auch - oh Wunder -unsere Zimmer fertig - es ist ja auch bereits 22 Uhr. Die anderen wollen noch was essen gehen. Ich habe keinen Hunger, ich möchte nur noch ein Bier und dann ins Bett, die Hotelbar erreiche ich, als sie gerade schließt, der Barkeeper hat Erbarmen und ich bekomme für 12 Euro noch ein Bier, welches ich genussvoll und sehr zufrieden konsumiere bevor ich mich Morpheus Armen anvertraue.

90 km


13. Juni 2022

Überall Stromleitungen


Frühes Schlafengehen sichert frühes Erwachen, um 7 Uhr fühle ich mich bereit, dieses Norwegen weiter zu erkunden, die Freude über das gestrige Erlebnis klingt noch in mir nach. Ich lasse Daniel schlafen und breche nach der Dusche beschwingt auf zum Frühstücksbuffet. Während ich mich bereits an Guldbrandsdalost labe, kommen nach und nach die anderen und wir schmieden Pläne beim Kaffee. 

Gestern haben wir den Valbergtårnet ausgelassen, bei leichtem Nieselregen spazieren wir dort hin, er ist aber geschlossen, also kaufen wir erste Souvenirs und holen das Auto aus dem Parkhaus. Norwegen ist sehr automatisiert, daher sollen wir am Bezahlautomaten unser Kennzeichen eingeben, aber der Automat findet nichts, sicherheitshalber fotografieren wir alles und sparen uns so die Parkgebühren. 

Unser erster Stop ist in Selestranda, der Hafen und Feistein Fyr locken als Motive, Wind kommt von vorn, Sprühregen aus allen Richtungen, wir sind nach jedem Stop durchaus froh, wieder im Auto Platz nehmen zu können. Nach dem ersten Leuchtturm wird es Zeit für den ersten Wasserfall, der Månafossen liegt in der Nähe und auch wenn das Wetter mies ist, weiß die Landschaft zu bezaubern. Am Parkplatz angekommen wird hier das Kennzeichen nicht automatisch erfasst, stattdessen müssen wir die Parkgebühr in einem Umschlag in einen Briefkasten werfen, dann dürfen wir uns an den kurzen und knackigen Aufstieg machen. Der Weg hat nur 400 Meter, die haben es allerdings in sich, gefühlt geht es senkrecht nach oben, als Hilfsmittel sind Leitern und Ketten angebracht. Ina und Daniel geben auf halber Strecke auf, ich bin überraschenderweise in meinem Element und auch die allgegenwärtige Feuchtigkeit kann mir die Stimmung gerade nicht versauen.

Gabi und ich werden oben mit einer leicht vernebelten Aussicht auf einen tosenden Wasserfall (Foss) belohnt,  ich packe das Stativ aus, Gabi muss assistieren, bevor es über glitschige Steine wieder hinab geht. Natürlich setze ich mich auch hier wieder unfreiwillig ins Nasse, ich hoffe, das geht die kommenden Tage nicht so weiter. 

Es folgt ein Besuch im örtlichen Ikea, Daniel meint, er brauche ein Kopfkissen, er sei Seitenschläfer und käme mit den in den Unterkünften jeweils vorhandenen nicht hin. Norwegische Kopfkissenpreise im schwedischen Möbelhaus lassen ihn die Schwere der Not allerdings noch einmal überdenken. 

Am Abend essen wir bei Los Tacos selbige. Das Lokal ist schrecklich, aber erschwinglich. Schmecken tut es auch. Bevor Gabi morgen den Heimweg antrifft, öffnen wir die erste Bierpalette auf dem Zimmer. Vom Hoteldach haben wir am späten Abend noch einen schönen Ausblick auf das Husum Norwegens (die graue Stadt am Meer)


60 km

Månefossen


14. Juni 2022

Die Landschaft haut einem hier permanent in die Fresse


Gabi und ich frühstücken zeitig miteinander, dann tritt sie bereits wieder den Heimweg an. Ina, Daniel und ich packen unsere Koffer und das Auto und beginnen mit der ersten norwegischen Landschaftsroute, dem Ryfylkevegen. Kurz noch ein Stop am ersten Rema 1000 der am Wege liegt, um die Kühlbox zu füllen, außerdem Haferkekse, Kvikk lunsj und ganz viel Wasser. 

Das Wetter zeigt sich nach wie vor nicht von seiner besten Seite, norwegischen Sommer haben wir uns anders vorgestellt, die Landschaft hingegen entschädigt. Gefühlt stoppen wir alle 2 bis 5 Minuten am Wegesrand und zücken verzückt die Kameras. Links ein Fjord, rechts ein Berg, von oben ein Wasserfall, es "fosst" ganz mächtig und ich versteige mich bereits zu der These, dass wir die Wasserfälle irgendwann nicht mehr wahrnehmen werden, weil sie einfach überall sind. 

Schneebedeckte Kuppen schieben sich in die Aussicht, wir haben Juni, nun gut. Irgendwann taucht auch der erste Schnee am Straßenrand auf. Unsere größeren Stopps heißen Ostasteidn, Ropeid und Svandalsfossen. Wir fahren mit der ersten Fähre (Hjelmeland-Nesvik), in Norwegen sind Fährverbindungen häufig Teil der Reichsstraßen und die Gebühren werden genau wie die Maut, elektronisch mittels Kennzeichenerfassung abgerechnet. An manchen Stellen schaut es so aus, wie ich mir Grönland vorstelle, einige Gewässer sind zugefroren.

Unsere Tagesetappe heißt Røldal. Wir beziehen hier unser Appartement, beziehen die Betten und besichtigen die Stabkirche - von außen - 8 Euro Eintritt war uns der Bau nicht wert, dafür kommen noch weitere Stabkirchen, in die wir dann lieber investieren wollen. 

Der Mensch lebt nicht vom Haferkeks allein, insofern macht sich Hunger breit und wir suchen ein Restaurant, es gibt genau eins, die Røldal Terrassen und die schließen um 18 Uhr, also jetzt. Wir schicken Ina vor, fragen und man hat Erbarmen, der Koch macht uns noch was. Lecker war es auch.

Die Kühlbox kühlt nicht nur die Frühstücksutensilien sondern auch das Bier, dass wir uns danach in unserer Unterkunft schmecken lassen, während wir die Eindrücke des Tages verarbeiten.

182 km

Svandalsfossen


15. Juni 2022

Da hinten sind wieder 20 Farben grün


Wir frühstücken gemütlich, niemand hetzt uns, die Tagesetappen sind - jedenfalls meistens - so gewählt, dass auch ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen kann. Wir entrichten 75 Euro für dreimal Bettwäsche und hoffen, dass der Vermieter, sie mit der Hand am Fluss reinigt.

Auf der Hardangerroute geht es heute weiter, zuerst nach Odda, am Folgefonna Gletscher und Hardangerfjord entlang bis nach Jondal. Wiederum stoßen wir abwechselnd regelmäßig Ahs und Ohs aus, bestaunen Obstplantagen, Wasser und Berge und - wir können es kaum glauben - Sonne. Das Thermometer schiebt sich zwischendurch auf sagenhafte 20 Grad. Highlight ist der Låtefossen, der direkt neben der Straße liegt, seine Gischt überallhin versprüht und uns sehr beeindruckt. 

Von Jondal setzen wir über nach Tørvikbygd, die Fähre hat einen Kiosk und so essen wir unsere erste Fährwurst, einen HotDog, durchaus lecker und somit etwas Abwechslung von  unseren treuen Kalorienspendern Kvik Lunsj und Haferkeks. In Norheimsund biegen wir ab nach Bergen, Norwegens zweitgrößter Stadt. Unsere Unterkunft liegt am Berg mitten in einer Baustelle, die Zufahrt gestaltet sich ein wenig schwierig und wir müssen unsere Habseligkeiten eine Treppe hinab und dann im Haus wieder nach oben wuchten. Jetzt erstmal ein Dosenbier und die Lage checken. Wo ist wohl die nächste Haltestelle, welche App braucht man für den hiesigen Bus und welcher fährt in die Stadt? 

Es dauert tatsächlich nur 6 Minuten bis zur Tyske Brygge, wir spazieren zum Fischmarkt auf der Suche nach einer warmen Mahlzeit, Persetorsk (Pressdorsch) soll es sein, traditionell aus der Gegend, es dauert eine Weile bis wir schließlich in einem pittoresken kleine Restaurant namens Bryggen Tracteursted fündig werden. Es lohnt sich, auch für das Restaurant, der Apfelkuchen zum Nachtisch schlägt mit 14,50 Euro zu Buche. Der Fisch ist allerdings exzellent, der Apfelkuchen auch und die Atmosphäre im Lokal macht was her.

Bergen ist die regenreichste Stadt Europas, so nieselt es auch die ganze Zeit vor sich hin. Dies lässt am Abend ein wenig nach, so dass wir uns spontan noch für eine Auffahrt auf den Fløyen entscheiden. Hier bietet sich ein wunderbarer Blick über die Stadt und das Umland unter einem Hauch von Abendsonne. Schnell noch in den Bunnpris und dann ab ins örtliche Heim.

170 km

Låtefossen


16. Juni 2022

Das kannst du auch einreichen für den Betonelementprisen


Wir frühstücken morgens gemütlich zusammen und brechen gegen 11 Uhr auf zur Stadtbesichtigung, natürlich regnet es, so dass es uns mehr nach drinnen zieht, ein wenig Shopping ist angesagt. Im Julehuset gibt es Weihnachtsdeko und ein Teelichterspiel mit Elchen fehlt mir schon lange. Norwegerpullover finden wir gleich nebenan. 

Als es draußen nur noch tröpfelt, wagen wir uns vor zur Domkirche und von dort weiter zum Bahnhof, der Endstation der Bergenbahn. Daniel und Ina stärken sich mit Haferkeksen während ich Züge fotografiere. Das Lepramuseum schenken wir uns, unser Weg führt uns durch den Stadtpark zur Grieghalle. Schönes aus Beton! Sprengte man das Ding, es wäre nicht zwingend ein optischer Verlust. 

Beim Bäcker Brun bekommen wir Skillingsboller und Kaffee, wir wärmen uns ein wenig auf, bevor wir zur Johanneskirche hoch und wieder hinabsteigen. Am Nationaltheater recherchieren wir über Bjørnson und Ibsen.

Im Nordnes Park erreichen wir schließlich einen Aussichtspunkt mit Blick auf die Nordsee, bevor wir zum Fischmarkt zurückschlendern und testen, wie Walburger schmeckt.



17. Juni 2022

Heute ist so ein Tag um sich zu entgrenzen.


Auf Stadt folgt nun wieder Land, wir verlassen Bergen nach dem Frühstück in nordöstlicher Richtung auf die Aurlandsfjellet Route. Vorbei geht es an Stalheim und Flåm, wir halten wieder wieder regelmäßig an, oberhalb von Aurlandsvangen machen wir eine Fotosession mit Haferkeks, neben uns setzt ein Finne seine Freundin für Instagram in Szene. Wir rollen mit im Zug der Wohnmobile, die meisten mit deutschem oder niederländischen Nummernschild. Direkt vor uns fährt Adventures of Manni... 

Der Aussichtspunkt Stegastein bietet einen atemberaubenden Blick über den Aurlandsfjord, man kann sich kaum sattsehen an so viel schöner Natur, leider ist man nicht allein. Nachdem alle Fotos im Kasten sind, biegen wir auf den Snøvegen ab, der uns über das Aurlandsfjellet durch eine surreale Schneelandschaft führt. Kalt, unwirklich und wunderschön, Schreie der Bewunderung entringen sich unseren Kehlen. Wir stoppen, frieren und fotografieren. 

Nächster Besichtigungspunkt ist die Stabkirche von Borgund aus dem 12. Jahrhundert. Hier gönnen wir uns das Eintrittsgeld und werden auch nicht enttäuscht, es ist schon faszinierend, was gläubige Norweger damals so errichtet haben. 

Von Fodnes nach Manheller bringt und eine Fähre - mit Fährwurst. Unser Quartier schlagen wir in Hafslo auf. Die Küche ist gut ausgestattet, wir kaufen Tiefkühlpizzen und genießen sie bei einem Blick auf den See hinterm Haus im Regen. Ina legt sich derweil einen Instagram Account an, damit sie sehen kann, was Daniel und ich dort posten. Sie liked freundlicherweise erstmal alles durch. Nebenbei waschen wir noch eine Trommel Wäsche und träumen dann von schneebedeckten Landschaften

269 km


18. Juni 2022

Ich sage noch mal, hier ist 80


Nach dem Frühstück ein Besuch im Supermarkt, dort erreicht uns ein Anruf des Vermieters, wir haben einen Rucksack liegen lassen. Also zurück in die Unterkunft, Rucksack einsammeln, dann können wir unseren Weg fortsetzen in Richtung Lom über den Sognefjellsvegen. Bei Skjolden kommen wir am Wittgensteinhaus vorbei und treffen ein paar Bisons. Lom ist ziemlich touristisch, die örtliche Stabkirche aber auch ein Highlight und so fügen wir sie unserer Sammlung hinzu. Wir passieren Jotunheimen, wo die Riesen wohnen und schon wieder umgibt uns Schnee, die bereits bekannten Begeisterungslaute treten erneut vermehrt in den Vordergrund. Ein Fotostop jagt den nächsten. Das Breiddalsvatnet ist mächtig vereist, in Grotli sehen wir ein Sommerskizentrum und Skifahrer. Hier ist der Weg das Ziel, allerdings müssen wir auch ein wenig auf die Uhr schauen, haben wir gestern abend doch noch eine Fjordsafari in Geiranger gebucht. 

Gegen 16.30 Uhr erreichen wir Hjelle Hotel und werden sehr zuvorkommend auf deutsch begrüßt, wir beziehen unsere Zimmer, bis nach Geiranger sind es 50 Kilometer über zwei Berge, folglich sind wir nun ein wenig in Eile. Daniel klopft bereits nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad rum, vor uns auf den Serpentinen befindet sich ein Italiener sowie zwei polnische Wohnmobile mit 30 km/h, die Kurven werden voll ausgefahren. Das Klopfen auf dem Lenkrad wird schärfer und in der nächsten Spitzkehre wird testweise erst der Italiener auf die Plätze verwiesen, bevor die polnischen Wohnmobile angegriffen werden. Wir setzen uns vorerst an die Spitze bis wir hinter einem Norweger landen. Der wird an der nächsten Kurve innen überholt, wir haben heute noch was vor. Der Norweger hupt, vor uns liegt Geiranger und pünktlich erscheinen wir am Treffpunkt. 

Wir werden in Wasserschutzanzüge gesteckt, nach Rückenleiden befragt, dann besteigen wir ein Speedboot, Ich ergattere mit Daniel die Plätze in der ersten Reihe und bin die nächste Stunde mit regelmäßigem Wischen meines Kameraobjektive beschäftigt. Wir düsen über den Geirangerfjord, ein großartiges Erlebnis. Der Guide erläutert uns die Wasserfälle und die Lebenssituation auf den Gehöften am Berg. Man kommt sich unglaublich klein vor in so einem Fjord. 

Die Raserei hat sich gelohnt, auf der Straße genauso wie auf dem Wasser. Zurück ins Hotel fahren wir aber ordentlich, das Abendessen in dem familiär geführten Haus wartet schon auf uns und ist jede Krone wert. Fischcremesuppe, Lachsforelle und Eis als Dessert, was für ein wunderbarer Tag. Wir treffen uns mit Dosenbier auf unserem Zimmer und amüsieren uns über das Erlebte.


180 km

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Geirangerfjord

Geirangerfjord


19. Juni 2022

Heute kannst du mir das Grinsen nicht aus dem Gesicht schneiden


Statt selbstangerichtetem gibt es heute Hotelfrühstück, ein wunderbarer Start in einen schönen Tag.  Da kein Ausflug auf uns wartet, nehmen wir statt der Tunnel heute den Gamle Strynefjellsvegen über den Berg nach Grotli. Es gibt wieder viel Schnee und Zugefrorenes, entsprechend oft müssen wir anhalten. Erfreulicherweise schaut auch die Sonne, bisher ein seltener Gast auf unserer Tour ums Eck. So nähern wir uns langsam aber stetig wieder Geiranger und dem gleichnamigen Fjord, vermutlich einer der bekanntesten im ganzen Land, was sicher auch den zahlreichen Kreuzfahrtschiffen geschuldet ist, die durch das Gewässer kreuzen. 

Oberhalb des Ortes erwartet uns der erste Aussichtspunkt und natürlich müssen wir uns auch selbst vor dieser markanten Station unserer Reise ins Szene setzen. Geiranger selbst ist unspektakulär, viele touristische Einrichtungen, aber den Teil haben wir ja bereits gestern erledigt.

Mit der Adlerstraße wartet auf der anderen Seite nun das nächste Highlight, vom Ørnesvingen gibt es einen wunderbaren Ausblick auf den Fjord - mit Sonne und bei 20°C, wir fahren weiter nach Eidsdal setzen mit Fähre und Wurst über den Storfjord nach Linge. Herrlich!! 

Am Nachmittag erreichen wir Ålesund, wir fahren direkt auf den Aksla, den Hausberg, von dem jeder Norwegentourist die Stadt fotografiert. Anschließend beziehen wir unsere Unterkunft. Bereits vor dem Haus, auf dem Parkplatz erwartet uns eine Waschmaschine, unter freiem Himmel, in Betrieb, das Waschpulver offen oben drauf. Seltsame Bräuche. Der erste Eindruck spiegelt sich leider auch in dem räudigen Appartement wieder, das für die kommende Nacht unsere Heimstatt sein soll. Sauber geht anders, die Möbel sind abgewohnt, andere hätten sie wohl auf den Sperrmüll gebracht - aber gut, es ist nur für eine Nacht, irgendwie wird es gehen. Wir bemühen uns den Kontakt mit der Unterkunft auf ein Minimum zu reduzieren. 

Insofern brechen wir direkt zum Stadtrundgang auf. Sonntags sind die Bürgersteige hier eher hochgeklappt. Architektonisch ist das Städtchen wunderbar und die Lage direkt am Wasser auf verschiedenen Inseln tut das Übrige. Sonst gibt es aber nicht viel her. Das Angebot in den verschiedenen Restaurants überzeugt uns auch nicht, so landen wir bei Egon, einer norwegischen Gastrokette, bei der die anderen schon in Stavanger spiesen. Lecker wars. Final mussten wir natürlich auch noch die Kirche bestaunen, für die der deutsche Kaiser Teile gespendet hat, nachdem sie 1904 mit dem Rest der Stadt Opfer von Flammen wurde. Vom Storhaugen schließlich haben wir noch eine andere Perspektive auf die Stadt genossen, bevor uns mit einigen Bieren für die Nacht in der Nissenhütte betäubten.


108 km

Geirangerfjord


20. Juni 2022

Wir steigen jetzt in das verkeimte Stellmöbel und schauen, dass wir unbeschadet wieder rauskommen


Der Tag beginnt mit der Herausforderung sich in der Dusche, bei der es sich tatsächlich um ein Stellmöbel aus einem Stück handelt, zu reinigen und gleichzeitig den Kontakt mit der Kabine zu vermeiden. Hier war es nämlich, wen wundert es, auch nicht sonderlich sauber. Essigreiniger und Desinfektionsmittel, sowie Schimmelspray wären eine Investition wert gewesen oder eben eine neue Duschkabine.

Aber es ist vollbracht, wir ziehen aus und machen uns auf den Weg nach Trondheim. Die Sonne scheint und entschädigt uns für die letzte Nacht. Mit der Fähre setzen wir von Vestnes nach Molde über, Zeit für 'ne Wurst. In Farstadsanden haben wir am Strand ein wenig mit der Drohne gespielt.

Was nun folgt, ist eines der besten Stücke dieser beeindruckenden Reise, der Atlanterhavsvegen und die Sonne steht immer noch am blauen Himmel. Wir verbringen recht viel Zeit auf dem Stück zwischen Vevang und Kårvåg und nutzen wirklich jede Möglichkeit zum Anhalten, laufen ein wenig, fotografieren und genießen. Die Straße ist atemberaubend.

Bei Kaffee und Kuchen stärken wir uns und sehen eine Luftaufnahme der Straße im Café an der Wand, wir überlegen, von wo das wohl aufgenommen wurde. Wir haben Drohnen im Auto, wir beraten. Offensichtlich wurde das Bild an einer Stelle gemacht, an der wir bereits vorbei sind, ca. 8km zurück. Hm... eine "once-in-a-lifetime-opportunity, wir trinken aus, und kehren um. Wir parken neben der Straße, machen die Drohnen bereit und auf gehts, ab in die Luft. Es ist windig, die Panoramen gelingen nicht sofort, aber am Ende sind eine Menge schöner Bilder auf die SD Karte gebannt und wir glücklich.

Der nächste Stop ist Kristiansund, am Aussichtspunkt Varden blicken wir über den Ort, Daniel lässt seine Drohne nochmal fliegen und danach machen wir uns auf nach Trondheim. Den Schlüssel für unsere Unterkunft müssen wir einem Schließfach am Bahnhof entnehmen. Die kommenden zwei Nächte haben wir es hübsch und sind außerdem mitten in der Stadt.  Unten im Haus ist ein Bunnpris in dem wir uns noch schnell versorgen.  Unter anderem mit einem Tacoset, dessen Audruck wir aber nicht richtig lesen. Es befinden sich Weizenfladen und Soße im Paket - mehr nicht. Wir improvisieren mit Salami und Käse und verwöhnen uns mit Tacos á la Trondheim. 


379 km


21. Juni 2022

Dieses Wetter macht mich fertig


Wir schlafen aus, wir sind gestern viel gefahren, haben viel gesehen und überhaupt jetzt schon 10 Tage lang Unmengen von Eindrücken gesammelt, da kann man auch mal liegenbleiben. Heute verpasst man auch wenig, zur Abwechslung regnet es nämlich mal wieder, so brechen wir erst gegen Mittag zum Stadtrundgang auf und beginnen mit Trondheims bekanntester Sehenswürdigkeit, dem beeindruckenden Nidarosdom. Weiter gehts zur Brygge und nach Bakken, dann wird der Regen so stark, dass wir in der Kaffeebrennerei einkehren zu Kaffee und Zimtkringeln. Aus dem gemütlichen Lokal heraus schauen wir dem Regen beim Fallen zu. Zimtgeschmack hat in solchen Momenten was sehr tröstliches.

Als es schließlich nur noch nieselt, brechen wir auf, vorbei am ersten Fahrradlift der Welt zur Festung Kristiansten. Für uns gibt es keinen Lift die Straße hoch. Wir besichtigen die Festung, laufen wieder hinunter zum Bahnhof, ich fotografiere Züge, Daniel und Ina stöbern im Zeitungskiosk. Wir steigen um auf den Bus und fahren zum ehemaligen Straßenbahndepot für ein Foto, bevor wir uns nach einem kurzen Bummel durch Trondheims Geschäftswelt für das heimische Sofa entscheiden. Das Wetter schlägt einem hier ein wenig aufs Gemüt, vielleicht ist es auch der Mittsommertag, der so gar nichts sommerliches hat oder der Wendepunkt der Reise, wir haben den nördlichsten Punkt unserer Tour erreicht. 

So ruhen wir ein wenig, frönen der belebenden Wirkung von Kaffee und Tee und wagen uns am Abend wieder vor die Tür. Egon im Fernsehturm ist unser Ziel mit Blick über Trondheim, das ganze mit dem Bus. Den ersten verpassen wir, beim zweiten fahren wir in die falsche Richtung, merken es, steigen wieder aus und erwischen schließlich das richtige Mobil. 

Das Restaurant dreht sich, so haben wir beim Essen immer wieder eine neue Perspektive auf die Stadt, ein Hauch von Abendsonne scheint. Gegen 23 Uhr, es ist noch hell, wenngleich nicht sommerlich, treten wir den Heimweg an und stoppen nochmal am Nidarosdom. Der lässt sich von unten einfach schlecht fotografieren, daher muss hier - jegliche Warnmeldungen ignorierend -  die Drohne nochmal kurz in die Luft, um ein schönes Bild von oben zu machen. Im Kasten, jetzt kann es Nacht werden.




22. Juni 2022

Man kann die Kuh hier gut einsehen


Das wird ein langer Tag im Auto heute, nach dem Frühstück brechen wir gen Oslo auf, und sind damit dann breitengradtechnisch auch schon fast wieder auf der Höhe von Stavanger, wo unsere Reise vor 10 Tagen begann. Wir tragen die Sachen nach unten. Daniel holt das Auto, es steht im Parkhaus, nicht weit weg. Ina und ich warten... und warten ... und warten. Die Trondheimer Verkehrsführung, - nie darf man da abbiegen, wo man möchte - verzögert unsere Abreise. Irgendwann kommt Daniel dann aber doch mit dem Auto und es kann losgehen. 

Mehr zufällig nehmen wir auf unserem Weg noch die Rondane Landschaftsroute mit, es bieten sich weitere schöne Ausblicke. Man wird nicht satt. Unterwegs zappen wir Sender im Autoradio, shazamen dabei norwegische Schlager und in der schwedischen Stunde auch hübsche Evergreens aus dem Nachbarland. Gibt es zum Nachhören hier.

Einen Stop machen wir in Lillehammer am Olympiapark und begutachten, die Sprungschanze, bevor wir am späten Nachmittag unser Hotel in Skjetten, nördlich der norwegischen Hauptstadt erreichen.  Ich blitzverliebe mich in einen rosafarbenen Kunststoffelchkopf, der hier von der Wand hängt. Hunger macht sich breit, das Haferkekssoll ist bereits übererfüllt, wir bestellen mit Unterstützung der Rezeption Pizza in die Lobby und speisen fürstlich. Dazu Frydenlund und Tagespläne schmieden für morgen.


491 km


23. Juni 2022

Großartig


Nach dem Frühstück geht es mit Bus und S-Bahn nach Oslo. Wir verlassen den Zug in Skøyen und suchen etwas orientierungslos die Bushaltestelle, wir sehen den Bus und legen einen kurzen Sprint hin, dann sind wir drin und fahren zur Vigelandsanlage im Frognerpark. Die Sonne scheint, es sind über 20°C, Oslo zeigt sich von seiner allerbesten Seite. Genauso die vielen Skulpturen, die Gustav Vigeland schuf, wir bestaunen sie fast alle, bevor wir uns ein Eis bei "Anne auf dem Land" (Anne på landet) schmecken lassen. Wir stellen fest, dass es gar nicht so weit zum Schloß ist und beschließen durch den Stadtteil Uranienborg dorthin zu schlendern. 

Wir erreichen das königliche Schloß rechtzeitig zur Wachablösung und schauen der Palastwache mit ihren Puschelhütchen beim Marschieren zu, bevor wir uns selbst noch ein wenig in Szene setzen. Wer weiß, wozu man mal wieder Porträts braucht.

Gemütlich beschreiten wir die Karl Johans Gate, Oslos Flaniermeile, an der eigentlich auch fast alles Sehenswerte liegt, links die Universität, rechts das Nationaltheater, geradeaus das Storting, Norwegens Parlament, die Domkirche und am Ende schließlich der Hauptbahnhof. Von hier geht es weiter zu Oslos Opernhaus, einem architektonischen Schmuckstück, dessen Dach man begehen kann. Eine wunderbare Aussicht auf den vor der Stadt liegenden Oslofjord bietet sich. Massen wohlgelaunter Menschen sind unterwegs und genießen einen wunderbaren Sommertag, der den Regen der letzten Tage in seiner Perfektion wettmacht. Dann ist der Film voll.... meine 128 GB Speicherkarte hat ihr Limit erreicht. Wer rechnet denn auch mit sowas, natürlich habe ich das Tagesgepäck klein gehalten und keinen Ersatz zur Hand, die Karten liegen im Fotorucksack im  Hotel - da liegen sie gut *grummel* Ich überlege kurz, nicht weiterfotografieren ist keine Option, der nächste Fotoladen Gott sei Dank fussläufig erreichbar. Sie haben Speicherkarten, die nur fast so viel kosten wie eine neue Kamera. Dafür gibt es wenigstens eine Quittung für die Mehrwertsteuerrückerstattung. 

Mit einer mit neuem Speicherplatz bestückten Kamera geht es erst auf die Bahnhofsbrücke und dann zurück zur Oper, ich hab hier noch nicht fertig fotografiert. Durch Bjørvika flanieren wir zum Osloer Rathaus. Leider hat das heute zu. 

An der Aker Brygge essen wir Lachs Teriyaki, es ist gar nicht so einfach, einen Platz in einem Restaurant zu ergattern, man könnte meinen, ganz Oslo sei auf den Beinen. Vermutlich kein Wunder, an so einem Sommertag. Wir laufen noch bis Tjuvholmen, einen Blick auf das Astrup Fearnley Museum werfen und auf die Menschen die von schwimmenden Saunen ins Wasser springen. 

Dieser Tag schreit nach einem Cocktail, egal was Alkohol in Norwegen kostet, wir suchen nach Rooftop Bars, Ina lädt uns zum Abschluss ins Centropa ein, wo wir tatsächlich einen Platz mit Aussicht auf der Terrasse ergattern, bevor wir den Bus zurück ins Hotel nehmen. 

Wachablösung Oslo


24. Juni 2022

Es gibt so viel Krams


Ina und ich haben um 7 Uhr gefrühstückt, Daniel wollte ausschlafen, heute gibt es die zweite "once-in-a-lifetime-opportunity" auf dieser Reise und zu zweit wollen wir diese wahrnehmen. Gestern hatte das markante Osloer Rathaus geschlossen, heute um 9:00 Uhr öffnet es wieder und wir wollen einmal genauer betrachten, wo denn alljährlich der Friedensnobelpreis vergeben wird. Erneut fahren wir mit dem Bus in die Stadt - eine kurze U-Bahnfahrt für ein paar Fotos streuen wir auch noch ein - und stehen pünktlich zur Öffnung, aber nicht als erste vor dem Rathauseingang. Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle, bei der man mein Taschenmesser findet und es für mich verwahrt, dürfen wir durchs Gebäude streifen. Das zeitige Frühstück hat sich gelohnt, der Backsteinklotz ist auch von innen sehenswert. Danach bekomme ich noch eine Straßenbahnfahrt und dann sitzen wir wieder im Bus, räumen schließlich unsere Zimmer und brechen zur vorletzten Etappe auf, nach Arendal.

Das erreichen wir am Nachmittag, der Ort ist bergig, die Zufahrt zu unserer Unterkunft verdammt steil. Wir fluchen, halten und schleppen unseren Hausstand in unsere hiesige Wohnung. Der Sonnenschein von gestern setzt sich fort, Norwegen möchte auf den letzten Metern nochmal zeigen, dass es wettermäßig auch was kann. Wir fahren an den Strand nach Fevik, Daniel möchte baden, das Wasser ist kalt, sehr kalt, aber das schreckt ihn nicht. 

Am Abend treffen wir uns mit Flecki und Franka, Ex-Kollegen von mir, die kürzlich hier hergezogen sind. Wir bekommen eine Stadtführung, essen gemeinsam zu Abend und schlürfen danach noch Cocktails. Mich hat derweil eine Erkältung angeflogen. Wir hoffen inständig, dass es nicht Corona ist, stellen allerdings fest, dass das Wissen darum jetzt auch keinen Unterschied machen würde. Meine Stimmung ist verrotzt und leicht genervt. Die Arendaler feiern auf ihren Booten im Hafen, es ist laut. Der Alkohol lässt mich nachts gut schlafen. Daniel leidet allerdings unter den Geräuschen, die ich dabei von mir gebe und sucht Zuflucht auf dem Sofa.

260 km


25. Juni 2022

Fjorde können sie, die Norweger


Des Morgens sind wir alle ein wenig gerädert, meine Stimme ist telefonsexgeeignet, Daniel hat die Nacht auf dem Sofa mitgenommen, die Stimmung ist etwas angestrengt. Ina ist munter und holt netterweise frische Brötchen. Wir trinken auf der Terrasse erstmal einen Kaffee, plötzlich liegt ein toter Vogel zwischen uns. Wegmachen mag ihn keiner so recht. Ina übernimmt kurzerhand die Bestattung. Wir spazieren nochmal mit der Kamera durch Arendal und machen ein paar Bilder, dann brechen wir auf nach Kristiansand. Während wir gerade die ersten Taschen den Berg hochschleppen wollen, kommt uns Daniel todesmutig mit dem Auto entgegen. Heute will er's wissen.

Nach Kristiansand ist es nicht weit, wir stellen das Auto im Parkhaus ab, machen letzte Einkäufe, reichen unsere Belege für die Mehrwertsteuerrückerstattung ein und bummeln durch die Straßen. Die Sonne scheint immer noch und versüßt uns Kaffee und Kuchen auf der Markensgate. 

Abreisetage sind was komisches, sie ziehen sich immer ein wenig, wir überlegen, was wir noch anstellen können. Odderøya lädt zu einem Spaziergang ein, auch hier wieder gutgelaunte Menschen auf Booten, die an der Fiskebrygga Eis holen. 

Es wird Zeit, das Auto zu holen und sich an der Fähre anzustellen. Auf der Fjord FSTR stehen wir lange am Heck bis wir auch die letzten Schären hinter uns gelassen haben. Wir nehmen  zufrieden in der Lounge Platz, essen zu Abend und stöbern schließlich im Duty Free Shop noch nach norwegischem Gin, bevor wir nach 2:30 Stunden in Hirtshals wieder anlegen. Wir übernachten in Hjørring und gehen schnell ins Bett, der Tag morgen wird nochmal lang.

65 km


26. Juni 2022

so søn


Es ist vollbracht, zwei Wochen Norwegen liegen hinter uns, wir fallen zum Frühstück um 08.30 Uhr bei meiner Cousine in Voerså ein und machen uns eine nette gemeinsame Mahlzeit, bevor wir aufbrechen zur Autobahn um achteinhalb Stunden später daheim die Sachen wieder nach oben zu tragen.

Es war schön, sehr schön oder auch søn, Norwegen weiß zu bezaubern und auch wenn die Nebenkosten hoch sind, so entschädigen Fjorde, Berge, Wasserfälle, Stabkirchen und nette unaufgeregte Menschen dafür vielfach und das Land ist direkt in meine persönliche Länder Top-10 aufgestiegen. Wir werden alle noch lange von der Landschaft zehren und von einer wunderbaren Zeit. Und das Auto hat jetzt 5.141 Kilometer mehr auf dem Tacho