Ein weiterer Kurztrip in den Osten

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9. Mai 2022

Rīga ruft


Der Koffer ist gepackt, auf gehts zum Bus und zum Zug nach Hamburg, der - wenn überrascht es - wieder mal in umgekehrter Wagenreihung aber immerhin pünktlich am Hauptbahnhof in Hannover ankommt. Genau pünktlich bin ich um 12.30 Uhr am Hamburger Flughafen, um mich mit Christopher zu treffen. Air Baltic soll uns in die lettische Hauptstadt Rīga bringen. Corona-, kriegs- und sonstwie-bedingt tut sie das auch mit knapp einer Stunde Verspätung im schicken Airbus 220. Um kurz vor 18 Uhr Ortszeit sind wir dort, sammeln unser Gepäck ein und machen uns auf den Weg ins Hotel Latvija. Mit dem 22er Bus geht es vom Flughafen Richtung Innenstadt. Google sagt, wo wir umsteigen sollen, da der 22er nicht am Hotel vorbeifährt. Der Minibus, den wir nun nehmen sollen, will allerdings weder Bargeld noch unsere Fahrkarten. Der Rest scheitert an mangelnden Sprachkenntnissen. Wir nehmen aber zur Kenntnis, dass Busse mit dreistelligen Nummern  erstens klein und zweitens scheinbar mit unseren Tageskarten nicht zu benutzen sind. 

Wir experimentieren weiter mit Google Maps und landen unter Benutzung mehrerer Busse schließlich in der Nähe unseres Hotels. Den Rest schaffen wir zu Fuss. An der Rezeption belohnt man uns mit einem Upgrade auf ein Zimmer im 20. Stock mit Altstadtblick. Das ganze nennt sich Superior Class und scheinbar ist der Blick das Feature eben dieser Klasse, die Zimmergröße kann es jedenfalls nicht sein. 

Wir packen aus, machen uns frisch, bewundern die Aussicht und ich schultere meine Drohne. Wir gehen die paar Meter zum Freiheitsdenkmal, wo ich ein paar Film- und Fotoaufnahmen machen möchte. Eigentlich ist das nicht gestattet, aber man kann sich im Vorfeld eine Genehmigung beim lettischen Verteidigungsministerium besorgen.

Mittels Google Translator hatte ich im Vorfeld das lettische Formular ausgefüllt, die gewünschten Unterlagen eingereicht und tatsächlich eine Genehmigung für meinen Drohnenflug bekommen.

Um mögliche Konfrontation bereits im Vorfeld zu vermeiden, spreche ich die um das Freiheitsdenkmal streifenden Polizisten an, erkläre was ich vorhabe und zeige meine Genehmigung. Diese wird daraufhin fotografiert, zum Chef geschickt, mit dem ich dann telefonieren darf und ihm nochmal erklären muss, was ich bereits in meinem Antrag schrieb. Scheinbar gibt es daraufhin Weisung, mich machen zu lassen und Karlsson kann in die Lüfte steigen und Milda ablichten. So verbringen wir 90 Minuten, die unterschiedlichen Lichtsituationen des Abends auskostend. Das ganze zieht sich ein wenig, bis um kurz vor 22 Uhr endlich die Straßenbeleuchtung angeht. Die ist recht mager, scheinbar spart man bereits Energie aber schließlich sind alle Bilder und Videos auf die SD-Karte gebannt.

Hunger macht sich breit und zur fortgeschrittenen Stunde haben wir Schwierigkeiten noch etwas essbares aufzutreiben. Im indischen Restaurant werden wir schließlich fündig, nicht ohne darauf hingewiesen zu werden, dass man gleich schließt. Wir essen zügig, zahlen und gehen pünktlich. 

Wieder im Hotel werfen wir kurz noch einen Blick in die Skyline Bar, offenbar ein ganz heißer Spot in Riga, der Ausblick ist aber nicht besser, als 6 Stockwerke tiefer in unserem Zimmer. 



10. Mai 2022

Sightseeing


Wir stärken uns am Frühstücksbuffet und erlaufen uns danach die Stadt. Vorbei am Freiheitsdenkmal und der Laima Uhr, die wir beide gestern abend schon bewundert und fotografiert haben, geht es hinein in die Rīgaer Altstadt. Im Krieg ist hier scheinbar nicht viel kaputt gegangen, Schöne Kirchen und Häuschen reihen sich aneinander und das ganze lässt sich wunderbar zu Fuss entdecken. Der Dom, die Petrikirche, das Schwarzhäupterhaus und das Rathaus, alles dicht beieinander, ebenso die "Drei Brüder" und das Museum zur lettischen Okkupation. Da wären wir gern reingegangen, aber es hat leider aktuell geschlossen, man baut um. Und schon stehen wir auf der anderen Seite der Altstadt am Dünaufer. Gegenüber sehen wir den modernen Bau der lettischen Nationalbibliothek, dahinter erhebt sich eine Säule mit goldenem fünfzackigen Stern in die Höhe. Das sieht sehr sowjetisch aus und wir wollen das ganze näher ergründen. Also nehmen wir die gerade haltende Tatra- Straßenbahn und fahren über den Fluss. 

Noch ein kleines Stück zu Fuß, dann stehen wir vor dem "Denkmal für die Befreier von Sowjet-Lettland und Riga von den deutsch-faschistischen Invasoren". Das eigentliche Monument ist mit Bauzäunen, die mit lettischen und ukrainischen Fahnen geschmückt sind abgesperrt. Es sind einige Besucher vor Ort, die Blumen niederlegen, gestern war Tag der Befreiung und auch ein Fernsehteam macht Aufnahmen. Christopher kommt mit einer jungen Dame ins Gespräch, die uns aufklärt, dass die Stadtregierung im Morgengrauen die gestern aus Anlass des Gedenkens ans Kriegsende niedergelegten Blumen hat entfernen lassen und die  russischstämmigen Letten darüber erbost seien und deshalb erneut Blumen brächten. Außerdem wolle man das Denkmal schleifen, was wiederum einem russisch-lettischen Abkommen widerspräche. Die Regierung versuche eine Verbindung zwischen dem Denkmal und dem Einmarsch der Russen in der Ukraine herzustellen, obwohl es diesen gar nicht gäbe.

Spannende Einlassungen, mir fallen noch alle möglichen Fragen ein, die ich gern gestellt hätte, da sind wir aber schon längst wieder auf dem Rückweg in Richtung Akademie der Wissenschaften. Ein Bau aus der Stalinzeit, wie er sich in den meisten Hauptstädten Osteuropas findet, angelehnt an die sieben Schwestern in Moskau. Das Haus verfügt über eine Aussichtsplattform und wir fahren nach oben und bewundern Rīga aus einer anderen Perspektive. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, was geht es uns gut.

Unweit der Akademie befindet sich der Zentralmarkt. Einst der größte und modernste Markt Europas und auch heute noch sehr beeindruckend. Wir speisen ein wenig Fisch zum Mittag und  begeben uns dergestalt gestärkt weiter zum Hauptbahnhof. Von hier geht es dann auf eine weitere Busodyssee in die Outskirts der Stadt zum Einkaufszentrum Minsk, auch so ein sozialistisches Überbleibsel. Wir streifen um die drumherum liegenden Wohnblocks vom sowjetischen Typ 194 und stellen fest, dass wir unsere Sightseeing Liste nun abgearbeitet haben. 17 Uhr - Feierabend gewissermaßen. Wir fahren zurück ins Hotel und legen die Füße ein wenig hoch, bevor wir abends im Province lettisch essen gehen. 



11. Mai 2022

An den Strand


Gestern hatten wir noch wunderbares Wetter, heute morgen regnet es, aber es sind nur ein paar Tropfen. Wir frühstücken erstmal und wollen dann den Bus zum Bahnhof nehmen. Da der Vorortzug nach Jūrmala aber nur alle Stunde fährt, haben wir erst noch Zeit für ein paar weitere Fotos in der Altstadt. Hier ist offenbar auch ein Filmset aufgebaut, nur was gedreht wird, lässt sich nicht herausfinden, vermutlich das Sissi - Remake von RTL, Kaiser Franz postete sowas bei Insta. Am Bahnhof angekommen müssen wir uns ein wenig sputen, allerdings ist es mit der lettischen Bahn nicht anders als mit der deutschen, der Zug hat Verspätung. Eine halbe Stunde später stehen wir auf der Hauptstraße des Ostseebades Jūrmala und genießen die Atmosphäre. Wir spazieren bis zur Kirche der Gottesmutter von Kasan und am breiten weißen Strand wieder zurück. Zum Mittag gibt es Burger im Majorenhoff, die Speisen lassen ein wenig auf sich warten und wir eilen noch kauend zum Bahnhof, um nicht eine weitere Stunde auf den Zug warten zu müssen. 


Auf dem Rückweg stiegen wir in Imanta aus und laufen durch die Hochhaussiedlung Zolitūde um noch ein wenig Plattenbaufeeling mitzunehmen, bevor wir den Bus Richtung Innenstadt besteigen. Dieser ist voll, sehr voll und wir flüchten bei nächster Gelegenheit wieder und steigen um in eine Straßenbahn


Im Hotel ruhen wir uns aus, bevor wir zu den letzten Spots aufbrechen, statt in Richtung Altstadt geht es nun in die andere Richtung zum Corner House, in dem einst der KGB residierte und zu verschiedenen Jugendstilhäusern, von denen Rīga einige zu bieten hat. Beim Abendessen hatten wir uns was asiatisches ausgesucht, allerdings hatte das Lokal dann irgendwie zu und wir irren durch die Gassen auf der Suche nach einer Mahlzeit. Beim Georgier ist es voll, dann gefällt uns ein Lokal nicht, Burger hatten wir mittags schon und am Ende landen wir bei Mamma mia und essen italienisch. Es ist ausgesprochen lecker und der Kellner spricht ein exzellentes Englisch und macht seinen Job sehr formvollendet. 


Ein schöner Abschluss für einen Besuch in einer sehenswerten Stadt. Rīga ist klein aber fein und wird uns in guter Erinnerung bleiben.