St. Petersburg im Winter - mueslipics

Ein Kurztrip in die Kälte

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28. Oktober 2014

Die erste Hürde ist genommen


Nachdem das Auto neue Bremsen braucht, und die geplante Südafrikareise damit Sparmaßnahmen zum Opfer fällt, stellt sich nun die Frage, was stelle ich mit drei Wochen Urlaub im November/Dezember an. Südhalbkugel fällt aus - aber Sankt Petersburg steht schon länger auf meinem Wunschzettel und wenn schon frieren, dann doch wenigstens mit Stil - und mit Standbytickets.

Neben möglichen Sehenswürdigkeiten mussten zuerst einmal die Formalitäten recherchiert werden: Ein russisches Generalkonsulat gibt es in Hamburg, den Visaantrag kann man online ausfüllen und ein Passfoto liegt noch irgendwo rum. Außerdem wird eine Bescheinigung über eine Auslandskrankenversicherung benötigt und ein Verdienstnachweis als Beleg der Rückkehrwilligkeit, man möchte den russischen Sozialsystemen ja auch nicht zur Last fallen. Fehlt nur noch eins, die Einladung - ein offizielles Formular das man sich entweder bei verschiedenen Internetseiten für unterschiedliche Beträge herunterladen kann oder in unserem Falle für 10 Euro pro Nase vom Hotel bekommt, welches ja heute dank globaler Vernetzung schnell ausgesucht und gebucht ist. Auch die die restlichen Papiere sind kurzfristig beschafft und nach weiterer Lektüre stelle ich fest, dass nun auch die Russen sich einer Service Agentur bedienen, die ihre Visaanträge für ein nicht geringes Entgelt handlet.

Bei den Chinesen bekommt man sein Visum nur noch über solche Büros, scheinbar ein Beschäftigungsprojekt für Konsulatsangestelltengattinen.

Aber siehe da, die Anträge können auch nach wie vor noch direkt beim russischen Generalkonsulat eingereicht werden. Eine einfache Eintrittskarte gibt es so für günstige 35 Euro, statt für 60 inclusive Servicegebühr....

Ein Reisebegleiter wird auch noch akquiriert, wie vorteilhaft, dass der in Hamburg wohnt und den Papierkram erledigen kann. Nach einer Onlineterminvereinbarung an Schalter zwei, halten wir nun heute nach nur sieben Tagen unsere visierten Pässe in den Händen und können uns Teil zwei der Reiseplanung widmen.


28. Oktober 2014


05. November 2014

Was macht man in St. Petersburg


Im Dezember vor allem eines, frieren, wie es aussieht. Schon jetzt liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Ich danke derweil dem Klimawandel, dass es in Norddeutschland noch vergleichsweise kuschlig ist.

Spontan fallen mir Eremitage und Newa ein, letztere vermutlich zugefroren. Nach weiterer Befragung der allwissenden Müllhalde "Google" stoße ich auf die Stadttouren und wir entschließen uns für zwei Tage eine Stadtbilderklärerin anzuheuern. Das mindert eventuelle Wartezeiten, sorgt für kompetente Begleitung und überwindet mögliche sprachliche Schwierigkeiten. Ich kann die kyrillische Schrift zwar lesen, das hilft beim Metro fahren, nützt aber nichts, wenn man das gelesene nicht versteht.

Jetzt fehlt zu den Sehenswürdigkeiten noch irgendein Sahnehäubchen, vielleicht mit dem Zug nach Helsinki und von da wieder nach Hause? Aber moderner Schnellzug ist langweilig und in Helsinki war ich erst vergangenes Jahr. Vielleicht kommt man auch nach Tallinn? Siehe da - nach viel Rumsuchen, es gibt jeden Abend einen Zug, der für die 370 Kilometer entspannte 6,5 Stunden braucht - Grenzkontrolle inklusive und das ganze in der ersten Klasse für reisekassenschonende 33 Euro. Aber wie an die Fahrkarten kommen?

Die estnische Betreibergesellschaft teilt mir auf mehrfache Nachfrage mit, wenn ich in St. Petersburg losfahren wolle, müsste ich auch dort buchen. Die Seite der Russischen Staatsbahen www.rzd.ru empfängt mich auf russisch. Ein Klick auf den Button der englischen Seite versorgt mich mit Businessdaten, die ich gar nicht sehen möchte. Also experimentiere ich erst ein wenig mit Copy und Paste von kyrillischen Ortsnamen bis es schließlich doch eine Möglichkeit gibt, das Buchungssystem auf Englisch umzustellen. Nach Registrierung und etwas rumprobieren finde ich auch den gewünschten Zug und kann schließlich zwei Fahrkarten buchen. Die Coupons dafür müssen ausgedruckt und in Russland gegen Fahrkarten eingetauscht werden. Das wird spannend.

Weitere Recherchen ergeben, dass es in St Petersburg Anfang Dezember noch keinen Weihnachtsmarkt gibt, die Russen feiern erst am 7. Januar, in Tallinn hingegen schon (http://www.christmasmarket.ee/eng/). So langsam füllen sich die paar Tage mit Leben.

10. Dezember 2014

Kein Schnee in Sankt Petersburg


Der Flug geht von Hamburg über Stockholm nach St. Petersburg und ist unaufregend, die Einreise unkompliziert, nur der Transfer in die Stadt gestaltet sich ein wenig holperig, viel Stop & Go aber gegen 18 Uhr erreichen wir das Hotel. Fünfter Stock ohne Aufzug, ich freue mich, dass jemand anderes unsere Koffer schleppt. Und Dunkel ist es auch schon. Dank der Zeitverschiebung von zwei Stunden ist Tageslicht noch mehr Mangelware als eh schon um diese Jahreszeit.

Im Hotel machen wir sun frisch und suchen als erstes die 800 Meter entfernte "Eisenbahnkasse" auf. Auf dem Weg dahin bekommen wir entlang des Nevskij Prospekts schon einen ersten Eindruck von der Pracht Petersburgs.

Während hier alles hell erleuchtet und Strom keine Mangelware ist, ist es in der Eisenbahnkasse fast schon dunkel zu nennen, funzelig, Riesenhalle, viele Schalter, wenige davon besetzt und überall die Erfindung der Langsamkeit. Da wir nur unsere online erworbenen Kupons in Fahrkarten umtauschen wollen, stelle ich mich an die beiden einzigen SB-Automaten an. Einer ist gerade außer Betrieb, am anderen holt auch jemand Fahrkarten ab, scheinbar für eine Großfamilie, sie tippt Buchungsnummer um Buchungsnummer ein, zwischenzeitlich wird der andere Automat repariert und kurze Zeit später halten auch wir unsere Tickets für übermorgen in den Händen.

Wieder zurück auf dem Griboyedova Kanal lächelt uns der City Grill an - Beer & Burger verspricht das Schaufenster und lecker sieht es auch aus. Es wird nicht zuviel versprochen, wir verlassen das Lokal gut gesättigt und gönnen uns in der Konditorei nebenan noch einen Tee und einen Nachtisch  bevor wir mit Kamera und Stativ den Newskij Prospekt bis runter ans Neva Ufer erobern.

Kalt ist es und windig, dazu prächtig und schön erleuchtet. Für den Rückweg ziehen wir die Metro vor, tief unter der Erde, unglaublich überheizt und mit Rolltreppenaufsichtspersonal.

Wieder hoch in den fünften Stock....Das Bett lockt

10. Dezember 2014


11. Dezember 2014

Von Zaren und Ikonen


Um 10.30 Uhr treffen wir uns mit unserer Reiseleiterin Julija vor dem Hotel, um zur Besichtigung Petersburgs aufzubrechen. Es ist gerade erst hell geworden und wir stiefeln los. Als erstes steht die Eremitage auf dem Programm, prächtige Räume, Bilder von Zaren, prächtige Gemälde von Rembrandt und Rubens, Kunst und Kitsch und viel Geschichte. Es sind eindrucksvolle Stunden, hier im Winterpalast mit Blicken über die Newa und viel Information.

Nächster Programmpunkt ist die Blutskirche. Russische Zwiebeltürmchen, wie aus dem Bilderbuch. Innen drin Gemälde, Gold und Ikonen. Von den Zwiebeltürmchen geht es zur Isaakkathedrale, die erinnert von außen mehr an den Petersdom , von innen besteht sie auch aus Gemälde, Gold und Ikonen.

Nach soviel Kultur sind wir auf der Suche nach sowjetischen Devotionalien und Julija schlägt vor, uns mit in ihren Heimatstadtteil zu nehmen, da gäbe es sowas günstig. Wir bessteigen ein Marschrutka und fahren Richtung Primorskaya. Mal eine neue Erfahrung. Hier landen wir dann in einer Art Markthalle mit frischen Früchten, Kräutern, Gemüse. Dazu Stände mit Fleisch, Fisch und Kaviar. Daneben kann man Kleidung kaufen und Bücher und bei diesen gab es auch Propagandaplakate. Ich finde alles was ich suchte, dazu etwas Tee und der Souvernirerwerb ist schon abgehakt. Briefmarken für die Postkarten fehlen noch. Aber auf der Post gibt es nur 5 Rubel Marken. Da kann ich die Postkarten vollkleben, statt zu beschreiben.

Mit der Metro fahren wir wieder zu unserem Hotel im fünften Stock  und nach einer kurzen Rast geht es zum Abendessen beim Russen um die Ecke. Das war nicht schlecht, aber auch kein kulinarischer Hochgenuss. Das Gute-Nacht-Bier gibt es heute auf dem Bettrand bevir ich in selbiges falle.


11. Dezember 2014


12. Dezember 2014

Auf zum Zug


Heute Morgen klingelt der Wecker noch früher, Abfahrt ist bereits um 9 verabredet. Wir stärken uns kurz am Frühstücksbüffet und werden dann von Julija und einem Fahrer mit dem Auto abgeholt. Es ist noch dunkel, trotzdem beginnt unsere Stadtrundfahrt und wir klappern noch einige Sehenswürdigkeiten, wie KGB Gebäude und Smolny im Halbdunkel ab und besichtigen danach die Peter- und -Paul Festung mit gleichnamiger Kirche. Hier sind die Romanows, die Zarenfamilie bestattet. Dazu Gemälde, Ikonen und Kerzenschein, das Ganze allerdings in einer Architektur, die mehr an eine lutherische Kirche als eine Orthodoxe erinnert.

Nächstes Highlight unserer Reise ist die Petersburger Metro, die aus Stalins Zeiten, genau wie die Moskauer einige prachtvolle Stationen vor allem entlang der Linie 1 zu bieten hat.

Vom Puschkinplatz geht es wieder mit dem Auto weiter hinaus, erst zum Touristenmenü mit Borschtsch und Fleischtopf und danach zum Sommerpalast, dem Katharinenpalast. Hier befindet sich das wiedererrichtete sagenumwobene Bernsteinzimmer, welches man leider nicht fotografieren darf. Darüber hinaus folgt goldenes Zimmer auf goldenen Saal. Mehr geht einfach nicht. Vielleicht hat die Neigung des Russen, zu einer gewissen Überladenheit hier seinen Ursprung. Die Anlage liegt in einem hübschen Park, der im Winter natürlich wenig anziehend ist, vom zugefrorenen Teich mal abgesehen.

Gegen 16.30 Uhr verabschieden wir uns am Witebsker Bahnhof von unserer Reiseleitung  um zu unserem Zug nach Tallinn zu kommen. Wenn Ost-Gefühl irgendwo konserviert wurde, dann hier am Bahnhof. Alles wirkt düster und irgendwie aus der Zeit gefallen. Nach einer kurzen Stärkung im Bahnhofsbuffet (mit Teelöffeln aus Aluminium) kommt auch unser Zug, vier Waggons, ebenfalls aus der Zeit gefallen, aber von innen taghell erleuchtet, unserer Bleibe für die nächsten 6,5 Stunden,  360 km. Erste Klasse nur 33 Euro.

Die Grenzkontrolle findet im Zug statt, erst am russischen Bahnhof Ivangorod ca. 40 Minuten, danach noch mal 30 Minuten auf der gegenüberliegenden estnischen Seite, in Narva. Um 22.58 sind wir schließlich in Tallinn, die Bürgersteige sind bereits hochgeklappt und wir fühlen uns auch recht bettschwer. Nach einer Nase voll frischer Luft kehren wir noch im Grill neben dem Hotel ein und holen uns ein Bier für die Bettkante.

12. Dezember 2014


13. Dezember 2014

Tallinn - Spaziergang durchs Mittelalter


Heute keinerlei Verpflichtungen. Wir schlafen aus und stärken uns in aller Ruhe am Frühstücksbuffet bevor wir zu einem Spaziergang durch die Tallinner Altstadt aufbrechen. Vorbei an alten Wehrtürmen und Stadtbefestigungen geht es erst über den Weihnachtsmarkt rund ums mittelalterliche Rathaus. Neben Glühwein und Rentierwurst wird vor allem Kunsthandwerk feilgeboten. Viel Gestricktes, Dinge aus Holz und auf der Bühne der Weihnachtsmann.

Wir besichtigen die Altstadt und besteigen eine Straßenbahn der Marke Tatra  nach Kadriorg, ein besseres Talliner Wohnviertel angucken, hier ist auch der Präsidentenpalast. Allerdings ist das Wetter sehr mau, dass wir schnell wieder in die Straßenbahn einsteigen. Endhaltestelle sollte Kopli sein, unweit der Ostsee. Also wärmen wir uns in der Bahn auf und schauen, wo wir landen

Bei dieser kleinen Rundfahrt mit der Straßenbahn stellen wir fest, dass die Tallinner Altstadt zwar wunderbar renoviert ist, außerhalb dieses UNESCO Weltkulturerbes aber noch Raum für den einen oder anderen Eimer Farbe oder Putz ist. Wir landen tatsächlich an der Ostsee und steigen über einen Acker bis ans Ufer. Windig ist's , verdammt windig! Aber wenigstens regnet es nicht mehr.

Wir fahren wieder zurück und legen im Hotel erstmal die Füße hoch. Gegen 17 Uhr wollen wir wieder in die Stadt zum Abendessen. Das Restaurant Pegasus ist hier unbedingt zu empfehlen! Der Tallinner Weihnachtsmarkt schließt zwar bereits früh seine Pforten, aber zum Nachtisch können wir hier noch einen Glühwein erstehen.

Danach ist Nichtstun vor dem Fernseher angesagt. Tallinn ist nicht so die Stadt fürs Nachtleben....

13. Dezember 2014


14. Dezember 2014

Teletorn


Tallinn verfügt auch über einen Fernsehturm echt sowjetischer Bauart, der zur Olympiade in Moskau 1980 eröffnet wurde. Mit dem Bus 34A oder 38 kommt man vom Busbahnhof unter dem Viru Keskus in etwa 20 Minuten hierher und sieht dabei auch noch ein wenig was von der Stadt, das Sängerfeld oder das sowjetische Ehrenmal Maarjamäe.

Für 8 Euro geht es dann am Fernsehturm in 170 Meter Höhe und man hat einen feinen Blick über die Stadt und die Umgebung, ein Stockwerk höher kann man sogar außen auf der Plattform herumlaufen.

Damit ist unser Besichtigungsprogramm abgeschlossen und wir machen uns wieder auf den Rückweg gemacht. Sachen aus dem Hotel holen und vom Flughafen geht es über Rīga wieder nach Deutschland.

Zugegeben, sowohl in Petersburg als auch in Tallinn ist man im Sommer sicher besser aufgehoben, aber auch im Winter haben diese Städte ihren Reiz, man darf sich nur nicht über das maue Wetter ärgern :-)

14. Dezember 2014